Das vergessene Ende der Welt

Das vergessene Ende der Welt

Valmor Quintani nimmt uns mit an die Orte, die Paulus nicht mehr erreichte. Und zeigt, warum Gott heute herausfordert, dort neue Gemeinden zu gründen.

Der Apostel Paulus sah seine Lebensaufgabe darin, die Gute Nachricht von Jesus bis an alle Enden der Welt zu bringen (Römer 15,22-29; Apostelgeschichte 13,47). Sein Auftrag ist auch heute noch die größte Herausforderung für Christen weltweit. Hispanien war zu Zeiten des Apostelsdie westlichste Region des Römischen Reichs und umfasste auch das Gebiet des heutigen Portugals. Obwohl Paulus nicht bis dort kam, wünschte er nichts mehr, als dass der christliche Glaube auch dort ankommen würde. Im dritten Jahrhundert nach Christus breitete sich die Christenheit von der heutigen Stadt Braga in ganz Nordportugal aus.

“Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, dass du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde”

Apostelgeschichte 13:47

Obwohl Portugal so früh christianisiert wurde, ist es heute immer noch ein unerreichtes Land für das Evangelium. Die portugiesische christliche Kultur erwies sich als sehr widerstandsfähig gegen den Einfluss des Protestantismus. Die Ausstoßung muslimischer Mooren im zwölften Jahrhundert, der starke Einfluss der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert, sowie die sogenannten Marienerscheinungen Fatimas im frühen 20. Jahrhundert sind historische Faktoren, die dazu beigetragen haben, die katholische Identität als Teil der portugiesischen Kultur zu verfestigen. So bewirkten Katholizismus und Staat einen starken Widerstand gegen die evangelische Missionsbewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts zaghaft Portugal erreichte – und das mit wenig Erfolg. Selbst mit der Säkularisierung der Gesellschaft seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es immer noch viel Widerstand gegen den Einfluss des Evangeliums.

Nach über einem Jahrhundert der Evangelisation gibt es heute nur gut 1 % evangelische Christen in Portugal. Die größte Herausforderung für die Mission in Portugal ist so die Neubelebung der christlichen Gemeinden, die Ausrichtung neuer Leiter auf eine Missionsvision für ihr Land und die Gründung neuer Gemeinden. Deshalb ist es notwendig, eine langfristige Vision zu entwickeln und strategisch in die wichtigsten Wachstumsfelder in der Mission zu investieren.

Wir leben zu einem günstigen Moment, die geistliche Realität in Portugal zu verändern, das eines der EU-Länder mit der höchsten Einwanderung ist. In den letzten vier Jahren hat die Zahl der Migranten stark zugenommen. In der Metropolregion Lissabon leben heute 2,8 Millionen Menschen – gut ein Viertel der Bevölkerung Portugals. 44 % der Migranten Portugals leben im Umfeld Lissabons. Mit rund 35 ethnischen Gruppen entsteht durch sie eine kosmopolitische Einstellung, die offen ist für vielfältige Ideen und Erfahrungen. Aus diesem Grund ist aus Lissabon eine der ethnisch und kulturell vielfältigsten Städte Europas geworden und bietet eine einzigartige Chance, neue Gemeinden zu gründen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 ergab, dass 63 % der freikirchlichen Christen im Großraum Lissabon Ausländer sind. So gibt es dort eine große Anzahl ethnischer Gemeinden, aber die portugiesischen Einwohner sind immer noch weitgehend unerreicht.

Ein Pastor aus dem Norden Portugals erklärte uns, dass er in einer Stadt in der Region um Porto mit 70.000 Einwohnern lebt, in der es keine einzige freikirchliche Gemeinde gibt, die diesen Menschen Zeugnis von Jesus Guter Botschaft geben könnte.

Unsere Sehnsucht ist es, dass die Portugiesen von der Gnade und Liebe von Jesus Christus berührt werden, von der im Evangelium berichtet wird. Deshalb ist Gemeindegründung die effektivste Form der spirituellen Wiederbelebung für die portugiesische Bevölkerung. Seit 2009 arbeiten wir in Portugal in der theologischen Ausbildung und unterstützen Gemeindegründungen. In Zusammenarbeit mit der Allianz-Mission wollen wir nun Missionare aus Deutschland dabei unterstützen, missionarische Gemeinden in Portugal zu gründen. Viele Christen aus Gemeinden in Deutschland sagten, dass sie – oftmals zum Urlaub – zwar schon in Spanien, aber noch nie in Portugal waren. Warum nicht ein paar Kilometer weiter reisen in ein Land, dass so schön wie Spanien ist, aber die Gute Nachricht von Jesus so dringend braucht? Ist Portugal heute ein vergessenes Land? Für Gott unseren Herrn sicher nicht. Gott möchte, dass heute die Menschen Portugals gerettet werden.

Miriam und Valmor Quintani sind Missionare in Lissabon, Portugal

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2019 – Januar 2020) erschienen.