Japan + Amsterdam = Gran Canaria

Japan + Amsterdam = Gran Canaria

Alles begann mit einem Tsunami in Japan und einer christlichen Hochschulgruppe in Amsterdam. Wie daraus zwei Wege mit Gott, eine Ehe und eine gemeinsame Berufung als Missionare nach Gran Canaria wuchsen, das ist die unvollendete Lebensgeschichte von Marlene und Tobias de Vries.

Sie sind herzlich, unkompliziert und haben eine präzise Art, Dinge wahrzunehmen und auf den Punkt zu bringen. Marlene und Tobias sind von der Leidenschaft getrieben, dass junge Menschen in purer Gemeinschaft ganzheitlich Glauben lernen und befähigt werden, als Leiter Gemeinden in Deutschland und Spanien zu bereichern. Als Wirtschaftspsychologin und Theologe bringen sie dabei ganz unterschiedliche Blickwinkel auf Glauben und Jüngerschaft mit und lernen gerne voneinander. Gerade jetzt, wo sie als Teil des Cambio-Teams der GoGlobal Jüngerschaftsschule auf der spanischen Insel angekommen sind.

Für Tobias begann dieser Weg 2011 im Katastrophengebiet, das der verheerende Tsunami hinterließ, der nach einem Seebeben auf die Küste Japans traf. In einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, wollte er mit dem Abitur in der Tasche einfach mal raus und Gott neu erleben. Und reiste für zehn Wochen zu einem Hilfseinsatz der Missionsorganisationen Allianz-Mission und Samaritan’s Purse nach Japan aus. Hier erlebte er, welche Chancen und Herausforderungen Missionsarbeit ganz praktisch hat. Er hängte ein weiteres Jahr in Japan dran: im Auslandsjahr der Allianz-Mission bei den damaligen Missionaren Danielle und Matthias Krammel in Ishinomaki und Onagawa. Er wurde Teil eines internationalen Teams und Zeuge von Gemeindegründungen, Taufen und einprägsamen Gottesbegegnungen. So einprägsam, dass er nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Tübingen und Reutlingen Theologie studierte und auf verschiedensten Einsätzen in Brasilien, Indien, Serbien, Österreich und Norwegen seinen Horizont für Gottes Mission weitete. Während seines Einsatzes bei der Studentenmission Campus für Christus in Tübingen lernte er eine faszinierende Psychologie-Studentin kennen: Marlene.

Marlene teilt mit Tobias, dass sie von der Krabbelgruppe an eine Freie evangelische Gemeinde als Zuhause erlebte. Ihre Glaubensentscheidung mit 16 Jahren war für sie eine logische Konsequenz, ein Schritt ins Glaubensleben hinein. Nach dem Schulabschluss zog es auch sie in die Ferne und sie lernte in einem halben Jahr Work and Travel (Arbeiten und Reisen) in Neuseeland ein elementares Leben in überwältigenden Landschaften kennen. Diese wurden für sie zum Inbegriff von Gottes Kreativität. Sie wählte das Studium der Psychologie mit dem Ziel, als Kinder- und Jugendtherapeutin zu arbeiten. Doch es kam anders, und damit sind wir in Amsterdam. Dort verbrachte Marlene ein Auslandssemester und lernte neben der niederländischen Sprache auch, ihren Glauben zu hinterfragen und neu zu denken. Die studentische Hochschularbeit der Navigatoren war hier für ihren Glauben sehr prägend. Eine ihrer Professorinnen weckte bei ihr die Lust, in Richtung Wirtschaftspsychologie weiter zu studieren. So würde sie Menschen dort helfen können, wo sie die meiste Lebenszeit verbringen: am Arbeitsplatz.

Eine Glaubenskrise überschattete die kommenden Monate: Ausgelöst durch den Gedanken, ob ihr Glaube eigentlich nur per „Copy-and-Paste“ von ihren Eltern übernommen war, fragte sie sich, was ihr ohne all das eigentlich fehlen würde. Nach einiger Zeit ging sie joggen – vom Arbeiten an ihrer Bachelorarbeit genervt und frustriert. Hier sprach Gott durch eine Predigt, die in der Zufallsreihenfolge ihrer Playlist auftauchte, ganz präzise zu ihr: „Jetzt bin ich für Dich da, wo Du nicht weiterkommst!“ Seit diesem Tag war ein Hebel umgelegt und sie konnte sich einfach als bedingungslos geliebtes Kind Gottes sehen, was sie seitdem durch manche Herausforderung getragen hat. Bevor sie mit einem Studium im International Management ihren neuen Studienschwerpunkt anging, legte sie als Zwischenstopp eine Jüngerschaftsschule in der Abgeschiedenheit der französischen Alpen ein. Hier lernte sie viel über den Heiligen Geist, ausdauerndes Gebet und über die Freiheit, die Gott darin gibt, wie sie seinem Willen für ihr Leben konkret folgt. Davor lernte sie in Deutschland aber noch einen faszinierenden Theologiestudenten kennen und lieben. 2018 heirateten Marlene und Tobias.

Auslandsmission konnte sich Marlene nicht so recht vorstellen und Tobias dachte über Gemeindegründung oder eine Pastorenanstellung nach. Doch als sie im Sommer 2018 das Bundesjugendtreffen der Freien evangelischen Gemeinden in Erfurt besuchten, kam alles anders. Bei der Vorstellung von Cambio als Bundesjugendprojekt, dachten beide unabhängig voneinander: „Da müssen wir hin!“ Daraufhin fuhren sie für einen Missionseinsatz bei Cambio nach Gran Canaria und lernten das Team, Konzept und Haus von Cambio kennen. Sie waren begeistert von der puren Gemeinschaft und davon, wie junge Menschen befähigt, herausgefordert und ins Nachdenken über ihren Glauben gebracht werden. Sie waren sich einig: „Wenn die uns irgendwann fragen, ob wir bei Cambio als Mitarbeiter einsteigen wollen, sind wir sofort dabei!“ Bis es zu dieser konkreten Anfrage kam, ging noch ein halbes Jahr ins Land. Eine Zeit, in der Rebecca und Denis Nickel – die Cambio gestartet haben – wieder und wieder dafür beteten, dass Gott noch ein Ehepaar für die geistliche Leitung der Jüngerschaftsschule berufen würde – wenn möglich, Marlene und Tobias.

Seit August lebt und arbeitet Ehepaar de Vries nun auf Gran Canaria. Ihr Wunsch ist, dass durch Cambio zuverlässige und langfristige Mitarbeiter für Gemeinden in Deutschland und Spanien befähigt werden. Und sich selbst und ihren Glauben neu entdecken – mit allen Stärken und Schwächen. Marlene und Tobias werden im März und April 2020 wieder in Deutschland sein und freuen sich, wenn sie in Jugendkreise und Gemeinden eingeladen werden. Bitte unterstützen Sie sie mit Gebet, Spenden und indem Sie für Cambio werben.

Hier wohnen wir: Lomo Blanco, in der Nähe von Las Palmas
So alt sind wir: 27
Unsere liebste Freizeitbeschäftigung: Sport
Unser letztes Buch: The Culture Map (Lene) und Der Ort des Christus (Tobi)
Unser Job bei der Allianz-Mission: Missionare in der Jüngerschaftsschule Cambio auf Gran Canaria
Bei der Allianz-Mission seit: 2019
Ich liebe an der Allianz-Mission: Die Menschen, die hinter den Schreibtischen sitzen.
Low-Carb-Smoothie oder Energy-Drink: Kaffee!
Ein Lebenstraum von uns: Mit den Mountainbikes über die Alpen.
Manchmal können wir ich nicht schlafen, wenn … es viiiiel zu warm im Zimmer ist und der LKW vom Nachbarn beim Rückwärtsfahren piept.
Jesus und wir: …sind füreinander (siehe auch unseren Trauvers, Röm 8,31)

Marlene und Tobias de Vries sind Missionare im GoGlobal-Zentrum Cambio auf Gran Canaria.

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2019 – Januar 2020) erschienen.

Das ausführliche Interview in unserem Podcast amCast

Mehr zu Cambio: cambio.goglobal.am
Cambio auf Instagram: @cambio_grancanaria

Autor: Simon Diercks ist Leiter des Bereichs Communication & Media