Nina Vollmer

Nina Vollmer

„Als ich ganz klein war, wusste ich schon, dass ich Missionarin werden möchte – seitdem ich 4 Jahre alt war, war das immer mein Traum.“ Dass das nun so früh passieren würde, hatte Nina Vollmer so nicht geplant.

Nina ist fast 25 Jahre alt, im Sommer schloss sie ihr Anerkennungsjahr in einer Inobhutnahme ab, machte ihren Bachelor in Sozialer Arbeit und beendete ihre Jugendreferenten-Ausbildung. Im November möchte sie nun nach Manila auf die Philippinen fliegen, um dort das neue GoGlobal Jüngerschaftszentrum Tayo Na mitzuleiten.

Nina wuchs mit drei großen Brüdern auf, einer kleinen Schwester sowie einer Pflegeschwester und einem Pflegebruder. Das prägte sie zu der liebevollen, empathischen, jungen Frau, die sie nun ist. Sie liebt es, mit Menschen zu arbeiten und sie näher zu Gott zu bringen. Nicht nur Menschen, die Gott noch gar nicht kennen, sondern auch solche, die schon Christen sind. Sie will ihnen helfen, den Glauben zu vertiefen, und Menschen befähigen, andere zu Jüngern zu machen. Genau das kann sie nun auf den Philippinen tun.

Tatsächlich hatte sich Nina gar nicht für die Position beworben. Sie wollte die nächste Teamleiterin für die Europa-Tour dieses Jahr sein. Als sie ins Bewerbungsgespräch ging, ahnte sie jedoch, dass ihr etwas anderes vorgeschlagen werden würde. „Dann saß ich im Bewerbungsgespräch und Lorena sagte am Ende vom Bewerbungsgespräch, sie habe noch ein anderes Anliegen.“ Lorena schlug ihr die Leitung für das GoGlobal Zentrum in Manila vor. Es war ein emotionaler Moment für beide. Nina betete darüber und ihr war klar: „Das ist mein Platz!“ Alles, was Lorena gesagt hatte, passte zu dem, was sie als Berufung wahrgenommen
hatte. Sie muss lachen: „Ich hatte gar nicht richtig die Möglichkeit, Nein zu sagen.“ Sie bat Gott, ihr Steine in den Weg zu schmeißen, falls es nicht das Richtige war. „Bisher kamen keine Steine.“

Nun läuft das Fundraising und bald geht es los – wenn die Covid-19-Lage es zulässt. Doch was erwartet Nina auf den Philippinen? Derzeit wird das Zentrum von den Missionaren in Manila und ihr aufgebaut. Im kommenden März soll der erste Jahrgang dann starten. Der Schwerpunkt wird Jüngerschaft sein, anders als im ersten GoGlobal Zentrum Cambio auf Gran Canraia, das mehr Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung legt. Nina wird dort mit den Teilnehmern der Jüngerschaftsschule zusammenwohnen und sie begleiten. In Sessions werden sie in der Jüngerschaft angeleitet und gemeinsam geht es zur Tat – Gemeinden besuchen und hinaus in die Slums: Straßenkindern begegnen.

Nina war bisher noch nirgends, wo das Elend so schlimm war. Sie hat einige Erfahrung mit Leid und Armut in der Inobhutnahme gemacht – zwei Mal verbrachte sie ein Jahr dort und auch durch ihre Kindheit im Osten Deutschlands hatte sie Not erfahren. Ihren 25. Geburtstag kann sie nicht mit ihrer Familie verbringen und auch nicht Weihnachten. Die Philippinen werden herausfordernd, aber sie hält vertrauend daran fest, dass Gott etwas Gutes vorbereitet hat. „Mit dieser Perspektive ist jetzt der Heimwehgedanke noch nicht so groß.“ Als Pastorentochter schaut sie auf viele Umzüge zurück. Dazu kamen Ortswechsel für ihr FSJ, ihre Ausbildung und das Anerkennungsjahr. „Neuanfänge gehören zur Normalität bei mir“, sagt sie. In Asien war sie jedoch so noch nicht.

„Neuanfänge gehören zur Normalität bei mir“

Sie wird den Menschen mit Liebe begegnen. Das ist eine besondere Gabe, die Gott in sie hineingelegt hat. „Es ist nicht so, dass ich Menschen von Grund auf erstmal
negativ gegenüberstehe, sondern immer positiv. Ich habe eigentlich immer eine liebende Haltung einem Menschen gegenüber.“ Zudem hat sie einen großen Herzschlag für Gerechtigkeit. Doch, wie sie sagt: „Ich würde immer sagen, meine größten Stärken sind auch meine größten Schwächen. Ich glaube, eine sehr große Schwäche von mir ist, dass ich manchmal Dinge nicht so gut ablegen kann. Ich sehe dann, dass es jemandem nicht gut geht, und fühle mich dann ein bisschen verantwortlich und möchte dieser Person unbedingt helfen. Das ist etwas, was mich in Manila sehr begleiten wird. Mir wurde irgendwann in der 5. Klasse mal gesagt: ‚Du kannst sie nicht alle retten und du kannst sie nicht alle glücklich machen.‘“ Nina ist empathisch und es fällt ihr leicht, sich in Personen hineinzufühlen. Stimmungen im Raum wahrzunehmen gehört da ebenfalls dazu.

Neben Ninas Leidenschaft für Menschen schätzt sie Nachhaltigkeit und Minimalismus. Nach Manila wird sie nur wenig mitnehmen. Wo man an jeder Straßenecke eine Plastiktüte bekommt, wird Nina mit Jutebeutel die neue Stadt entdecken. Sie weiß, aus Deutschland ist sie anders geprägt als die Menschen dort, und das wird nicht immer leicht sein. Zum Schluss sagt sie: „Ich bin ein sehr, sehr großer Schisser. Manchmal frag ich mich, warum ich mich darauf eingelassen habe. Und dann merke ich, dass Gott da ist und dass ich da nicht alleine durchgehen muss.“ Sie freut sich auf das, was Gott vorbereitet hat. Da sind Menschen, die für sie beten, und Menschen, die um sie gebetet haben. „Ich bin die Gebetserhörung und da sind Leute, die sich auf mich freuen und die mich sicher durchbegleiten.“ Das macht Vorfreude.

Liebste Freizeitbeschäftigung: in der Natur sein – im Sommer, Musik, Nachhaltigkeit, Freunde
Das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe: Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst
Mein Job bei der Allianz-Mission: GoGlobal Jüngerschaft Manila
Ein Lebenstraum von mir: Missionarin werden, Lobpreishaus gründen, Menschen einen Ort geben, wo sie Gott begegnen können in ihrer ganz verschiedenen Weise (Buchempfehlung: 9 Wege, Gott zu lieben)
Manchmal kann ich nicht schlafen wenn: zu viel los ist/ zu viel Stress
Diese Bibelverse bedeuten mir viel für die Auslandszeit: 1. Mo 12,2 Spr 12,25;
einfach mal genießen: Pred 3,12
Da will ich mal hin: Japan, Korea
Jesus für mich: Kraftgeber und Helfer

Nina Vollmer ist Leiterin der Jüngerschaftsschule Tayo Na in Manila, Philippinen

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2020 – Januar 2021) erschienen.

Das ausführliche Portrait gibt es in unserem Podcast amCast