Waffelmobil und japanische Märchen

Ulrike und Reinhard Berns kommen nach 40 Jahren als Missionare in Japan zurück nach Deutschland. Statt in den Ruhestand beruft Gott sie zu ihrer nächsten Station in Hamburg.

In einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, begegnen sich Ulrike und Reinhard erstmals in der Jugendgruppe einer Düsseldorfer Gemeinde. Eigentlich haben sie sonst nicht viel miteinander zu tun, erzählt Ulrike, doch Reinhard hatte sie bereits wahrgenommen. Wie aus dem Nichts fragte er sie: „Hast du schon einmal über Mission nachgedacht?“ Ulrike bejahte Reinhards Frage damals, ohne zu wissen, dass das der Beginn einer gemeinsamen Reise werden würde.

Im Dezember 1981 reisten sie nach Japan aus. Ulrike und Reinhard waren damals 25 und 26 Jahre alt. Nach dem zweijährigen Sprachstudium standen drei Vetretungsdienste auf dem Programm. Sie begannen unter der Leitung von Pastor Paul Goto in Nagoya. Mit jedem Gemeindewechsel – von Nagoya nach Kani und dann nach Ogaki – übernahmen sie mehr Verantwortung. Da können wir Gott einfach nur für danken, wie er uns Schritt für Schritt herangeführt hat“, meint Reinhard. Sie reisten nicht als fertige Missionare aus. Gott ließ sie in ihre Berufung hineinwachsen und schenkte Zeit, die Sprache und die Kultur kennen zu lernen.

Währenddessen kristallisierte sich immer mehr heraus, wie sie in Japan missionarisch arbeiten wollten. Ihre erste Gemeindegründungsarbeit sollte in Okazaki beginnen. Sie planten einen Basar, um Menschen einzuladen. Zu dieser Zeit hatte Ulrike eine Totgeburt, was beide aus der Bahn warf. Schnell kamen Mitarbeiter aus anderen Gemeinden, um zu unterstützen. „Damals hat Gott gesagt: Das ist nicht eure Arbeit, das ist meine Arbeit. Und ich baue die Gemeinde. Gott hatte uns alles aus der Hand genommen“, berichtet Reinhard.

In dieser Zeit kam eine Frau zur Gemeinde, deren Kind vor Kurzem verstorben war. Diese Mutter kam später als eine der ersten zum Glauben und bringt sich bis heute in der Gemeinde in Okazaki tatkräftig ein. „Irgendwie hat Gott die Leute zum Glauben geführt und wir waren nur da“, meint Reinhard mit einem Lachen und Ulrike stimmt zu. „Gott baut die Gemeinde und das komischerweise mit uns.“

Sie verweisen immer wieder auf Gott – er ist derjenige, der wirkt, der das Wachstum schenkt und eingreift, wenn sie an ihre eigenen Grenzen stoßen. Sie erlebten zunehmend, wie sie ihre Gaben einbringen können. Ulrike war kreativ, backte gerne und spielte Klavier. Reinhard brachte sich im handwerklichen Bereich mit ein. Unter der Mithilfe von vielen Helfern aus Deutschland wurden zwei Gemeindehäuser gebaut. Sein letztes größeres Projekt war vor drei Jahren ein Waffelmobil für die Arbeit in Taketoyo. Ulrike backte Waffeln und sie konnten sich gemeinsam auf die Reise machen, um Menschen im Süden der Halbinsel von Jesus zu erzählen.

Hintergrund des Waffelmobils ist eine lange Tradition von Geschichtenerzählern in Japan. Früher reisten sie durch die Dörfer, verteilten Süßigkeiten und ließen Kinder von japanischen Märchen träumen. So wurden auch Ulrike und Reinhard zu Geschichtenerzählern. Sie berichteten von japanischen Seemännern aus dem Nachbarort, die vor 200 Jahren nach Schiffbruch einen deutschen Missionar trafen. Sie halfen ihm, das Johannesevangelium auf Japanisch zu übersetzen. Durch das Waffelmobil, erzählt Reinhard, gab Gott in ihrem letzten Winter in Japan „aus heiterem Himmel einen jungen Mann, der zum Glauben kam und nun statt Ulrike in der Gemeinde Klavier spielt! Eine Gebetserhörung!“ „Der ist viel besser!“, stellt Ulrike lachend fest.

Sie sehen, wie Gott Lücken füllt, die sie bei ihrer Rückkehr nach Deutschland hinterlassen. Auch das Waffelmobil wird weiter bestehen. Unser Missionar Chris Weigl wird es mit seiner Frau Sae übernehmen.

In Hamburg wartet eine japanische Gemeinde auf Reinhard und Ulrike. Zunächst konnten sie sich nicht vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren. Ihre Kinder haben in Japan ihre Familien und werden dortbleiben. Deutschland ist fremder geworden. Doch Gott berief durch klare Zeichen, dass dies die nächste Station in ihrem Ruhestand ist. Es ist eine Herausforderung, an der sie wachsen dürfen. Sie wissen und schätzen: Gott ist weiter im Prozess mit ihnen.

Lieblingsworte auf Japanisch:
Ulrike: sugoi (benutze ich oft), bedeutet wunderbar, enorm; spricht man mit einem scharfen s am Anfang.
Reinhard: daijoubu (benutze ich anscheinend sehr oft), bedeutet so viel wie: Das ist so OK. Das wird schon OK. (Mach Dir keine Sorgen.)
Job bei der AM: Gemeindeaufbau-Missionare
Hobbys:
Ulrike: Backen, Garten, jap. heiße Quellen/Bäder (Onsen), lecker Essen (japanisch, italienisch etc.)
Reinhard: Schreinern, einfache Elektro-Installation in japanischen Holzhäusern
Das genießen wir:
Ulrike: in einem Outdoor-Café oberhalb der Meeresbucht sitzen
Reinhard: japanische heiße Bäder
Wenn wir an unsere Grenzen kommen, …
Ulrike: hilft ein guter Kakao oder Kaffee, ein mutmachendes Bibelwort
Reinhard: stille werden vor Gott.
Bibelvers, der mir viel bedeutet:
Ulrike: Pred 3,11: „Gott macht alles schön zu seiner Zeit“
Reinhard: Joh 19,30: „Es ist vollbracht.“
Jesus für uns:
Ulrike: der mich bei meinem Namen gerufen hat und für meine Sünden gestorben ist und auch für die Japaner
Reinhard: Gott, der für mich Mensch geworden und für alle meine Sünden gestorben ist.

Ulrike und Reinhard Berns waren Missionare in Japan

Sie berichteten bei AM live XXL und in unserem Podcast amCast

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2021) erschienen.

Autorin: Evelyn Clement ist Mitarbeiterin im Servicebereich Communication & Media