Sprung in der Schüssel

Sprung in der Schüssel

Jörg Eymann spürt heute noch die Folgen seines Burnouts vor 13 Jahren. Was er aus seinen Erfahrungen lernt hat er nun in seinem ersten Buch niedergeschrieben.

„Ich habe einen Sprung in der Schüssel.“ … oder besser gesagt, tief in mir drin, in meiner Seele. Sie ist angeknackst. Das spüre ich gerade dann, wenn ich unter Druck gerate und merke: Ich bin nicht so belastungsfähig, wie ich mir das wünsche. Ich nehme die eine oder andere Bruchstelle war, die zwar ausgebessert und repariert ist, aber unter zu viel Druck wieder zerbrechen könnte, wenn ich nicht auf mich aufpasse. Ich bin begrenzt!

Ich bin ein Visionär, der gerne neue Wege beschreitet. Da sind mir meine Grenzen immer wieder im Weg. Ich reibe mich daran, leide manchmal darunter, will sie weiten und überschreiten. In gewisser Weise sind meine Begrenzungen dehnbar, aber sie lassen sich nicht beliebig verschieben. Ich merke meine Begrenztheit vor allem an meinen inneren Bruchstellen, besonders seit meinem Burnout vor 13 Jahren (mehr dazu in meinem Buch „Nur im Dunkeln siehst du die Sterne funkeln“). Vieles ist über die Jahre geheilt, anderes am heil werden. Da sind jedoch weiterhin Narben, und auch Bruchstellen, die weiter etwas brüchig bleiben, auch wenn sie gut ausgebessert sind.

Ich lerne, dass das Leben in Grenzen auch etwas Schönes, Befreiendes hat. Ich muss nicht alles tun, nicht immer der Macher sein, der alles allein „wuppt“. Im Team geht es eh besser. Es ist cool zu erleben, dass mich Gott mit meinen Limits gebraucht – gerade mit ihnen. Er ist weiter dabei, mich zu heilen und etwas Wertvolles und Schönes aus meinem Leben zu machen. Er arbeitet sorgfältig und kreativ wie ein japanischer „Kintsugi“-Meister*.

Mein Leben ist in der Hand eines Meisters. Er ist der Macher und ich bin sein Gefäß, das er formt und gestaltet und für sich gebrauchen will. Von ihm will ich mich gerne gebrauchen lassen. Denn er überschreitet niemals meine Grenzen, sondern gebraucht mich im Rahmen meiner Möglichkeiten, die er selbst geschaffen hat. Mehr erwartet er nicht. Ganz im Gegenteil. Er freut sich daran, wenn es mir gut geht; wenn ich zu ihm komme, ihm meine Wunden hinhalte und er sie heilen darf. Dadurch zeigt er mir seine Liebe. Darum geht es ihm am allermeisten. Um mich, und nicht um mein Tun. Mein Einsatz für IHN hat auch seinen Platz, aber darf erst einmal warten. Erstmal arbeitet der Meister feinfühlig an meinen Bruchstellen, bessert sie aus, verstärkt sie, repariert sie liebevoll…

Und dann darf ich wieder an die Arbeit gehen, die ich gerne für ihn und sein Reich tun will, damit noch viele Menschen meinen liebevollen Herrn und Meister kennenlernen, und durch seine Hand heil werden. Mit ihnen zusammen will ich weiter lernen, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu leben, und entdecken, wie schön das ist, was der Meister aus unserem Leben hervorbringt.

Jörg und Dorothea Eymann sind Missionare in Japan

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (Mai – Juni 2022) erschienen.