Ting, oder auch „onetingremains“ ist Vollblut-Musiker. Seine Lieder geben sprachlosen Situationen Worte und sprechen hinein, was Jesus ehrt.
Ich sitze in einem Kaffee mit meiner Frau. Unsere Taschen ruhen auf der Sitzbank. Kurz darauf kommt ein älteres deutsches Paar herein. Die ältere Dame scheint mehr Platz zu brauchen. Anstelle einer anständigen Bitte macht sie eine abfällige Geste mit der Hand wie „husch husch“. Dazu drückt sie mit einem Geräusch, als würde sie ein Tier fortjagen aus, dass wir unsere Handtaschen wegräumen sollten. Völlig perplex und überrumpelt von dieser Unart des Umgangs von Mensch zu Mensch, räume ich die Sachen weg. Meine Gefühle sind jedoch verletzt, Verachtung und Unwohlsein suchen ihr Weg in mein Herz.
Oder: Während ich mit asiatischen Freunden bei der Kühltheke vollkommen harmlos und friedlich bin, faucht ein Besucher, der uns böse anschaut: „Was ist das hier für eine Volksversammlung? Ihr Chinesen (ich bin Vietnamese – nur so am Rand) nehmt uns die Arbeitsplätze weg.“
Kein ohnmächtiges Opfer
Jedes Mal, wenn ich so etwas erlebe, bin ich traurig. Traurig über den Umstand. Traurig über den Hass, die Abneigung, Rassismus, weiße Privilegiertheit, Unfreundlichkeit. Oft brauche ich einen oder mehrere Tage, um das zu verarbeiten. Ich mache dann Musiktherapie – also mit mir selbst. Ich denke über die Gefühle nach: Warum hat die Person so etwas fieses gemacht? Und warum macht es dies und jenes mit mir? Was kann ich oder gar was können wir dagegen tun? Ob jetzt eine Ballade, ein Gedicht, ein Poplied oder Rap – das Gefühl findet eine Form in Ton und Musik, Sprache und Aufruf. Ich bin kein ohnmächtiges „Opfer“. Nein, etwas kann ich immer tun, und sei es, es zu thematisieren. Schon ist aus etwas richtig Schweren und Schmerzhaften etwas Gutes entstanden.
Leider erlebe ich so Begegnungen wie oben regelmäßig seit meiner Kindheit. Deshalb habe ich ein Lied geschrieben, was dieses Jahr veröffentlicht wird: „Wo ist die Liebe geblieben“ von mir, onetingremains. Deswegen bin ich Künstler, um Sprachrohr zu sein gegen Hass, gegen Diskriminierung, gegen Rassismus.
Aus jedem Mist kann Dünger werden. Es ist alles eine Frage des Umgangs und der Platzierung. Wenn es mir gelingt, gegenüber gemeinen Menschen (die selbst auch nur Liebe suchen und irgendwo verletzte Kinder sind) mit der Frucht des Heiligen Geistes (Galater 5,22) zu reagieren, dann bin ich in dem Moment ein Vorbild für meine Kinder und alle Menschen, die das mitbekommen. Das ist gut. Das macht einen Unterschied. Und wenn dann noch ein Lied, Kunst oder sonstiges daraus entsteht, um auf die Missstände hinzuweisen, dann ist das noch ein Sieg und Gewinn obendrauf.
Lasst uns mit Liebe werfen
Leute, in den Worten eines guten Freundes: „Lasst uns mit Liebe werfen“. Hör mal in dich rein. Wo erlebst du unangenehme Gefühle, Unwohlsein oder gar Verletzungen aufgrund von Hass, Diskriminierung, Mobbing?
Ich will dich ermutigen. Du bist nicht allein. Friss es bloß nicht in dich rein. Sprich darüber. Thematisiere es mit deinen engsten oder Vertrauten, mit Kunst, Malen, Bildern, Musik, was auch immer. Und wenn du magst und kannst, dann mache es sogar publik. Lasst uns gemeinsam aufmerksam machen auf den Mist. Und als Botschafter und -botschafterinnen Gottes mit Liebe werfen und einen Unterschied auf dieser Welt machen.
Falls wir uns noch nicht kennen: Mein Name ist Ting. Ich bin Musikmissionar. Folge mir gerne auf Social Media oder Spotify. Wenn du eine inspirierende Geschichte hast, sende mir dein Erlebnis, das ich dann gerne teile.
Ting Nguyen ist Jugendreferent für Mission und Musik
Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2025) erschienen.
