Salz auf der Haut: Warum Beziehungen der Schlüssel und Hobbys eine große Chance sind

Salz auf der Haut: Warum Beziehungen der Schlüssel und Hobbys eine große Chance sind

Hingehen – dort, wo sich die Menschen aufhalten. Raphael Stein gründet mit seiner Frau Alexandra und Natanael Barrios-Rivero auf Gran Canaria eine Gemeinde. Die Menschen erreichen sie bei ihren liebsten Aktionen: beim Wandern, Klettern, musizieren – und beim Surfen.

Noch etwas verschlafen halte ich in der Dämmerung mit Warnblinker am Straßenrand. José* kommt gut gelaunt und Nüsse knabbernd zu mir herübergelaufen. Auch Adrian* ist schon da und begrüßt mich herzlich. Wir laden die Surfbretter in mein Auto und fahren aus der Stadt heraus an die Nordküste. Kurz darauf stehen wir in unseren Neoprenanzügen an einem felsigen kleinen Strand und beobachten die Wellen, die sich an einem vorgelagerten Riff brechen. Während die ersten Sonnenstrahlen alles in ein goldenes Licht tauchen, springen wir über die Felsen in die Fluten und paddeln aufs Meer hinaus. José bekommt die erste Welle des Tages, wir anderen jubeln und feuern ihn an. Kurz darauf fliege auch ich eine Welle entlang. Mein Herz pumpt, ich spüre die Kraft der Brandung und die Gischt auf meinem Gesicht – ich liebe das. Adrian geht auch nicht leer aus und beim gemeinsamen Warten auf die nächsten Wellen sprudeln wir alle vor Begeisterung. Es folgen weitere adrenalingeladene Wellenritte, bis irgendwann Wind aufkommt. Halb neun, Zeit zum Frühstücken. Wir ziehen uns um und laufen in Boardshorts und Flipflops zu einem kleinen lokalen Café um die Ecke. Bei einem Cortado Largo (einem Espresso mit leicht aufgeschäumter Milch) und herrlich frischem Baguette reden wir übers Surfen, dann über Frauen und dann, man glaubt es kaum, über Jesus.

José und Adrian sind keine Christen. Aber sie kennen mich gut und wissen, dass der Glauben zu mir dazugehört. Für sie ist das fremd, aber faszinierend. Also fragen sie hin und wieder nach. So entstehen spannende Gespräche – ungeplant, ehrlich, tief.

Beziehungen machen einen Unterschied.

In der Bibel wird deutlich: Wenn Menschen uns Christen begegnen, können sie durch uns hindurch auch Jesus kennenlernen. Vertrauensvolle Beziehungen machen dabei einen ausschlaggebenden Unterschied. Doch wo entstehen solche Beziehungen? Da wo Menschen Zeit miteinander verbringen: in der Familie, bei der Arbeit oder eben in der Freizeit.

Jesus selbst hat sich unter die Menschen gemischt. Er verbrachte viel Zeit an sozialen Treffpunkten. Orte voller Begegnung, voller Beziehung. Heute sind unsere Gemeindezentren selten gesellschaftliche Mittelpunkte. Das muss kein Nachteil sein – aber es ist ein Hinweis darauf, dass wir Beziehungen vielleicht stärker außerhalb dieser Mauern suchen sollten.

Salz der Erde sein

„Ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus. Dieser Auftrag fordert uns heraus, mitten im gesellschaftlichen Leben präsent zu sein. Hobbys und Freizeitaktivitäten unterschiedlicher Art bieten dabei enorme Chancen, denn sie sind Treffpunkte unserer Zeit. Wenn man gemeinsam etwas erlebt und sich für etwas begeistert, dann verändert das die Beziehung. Nicht selten entwickeln sich daraus Freundschaften – und manchmal sogar eine neue Offenheit für den Glauben. In unserem Missions- und Gemeindegründungsprojekt in Las Palmas legen wir einen Schwerpunkt auf Beziehungen zu Menschen ohne Glaubenshintergrund. Beim Surfen, Skaten, Wandern, Klettern und Musikmachen lernen mein Kollege Natanael, meine Frau Alexandra und ich viele Menschen kennen. Einige von ihnen sind offen für den Glauben. Immer wieder erleben wir: Wer mit betender Haltung in seinen Hobbys unterwegs ist, kann staunen, wie Gott ganz alltägliche Begegnungen gebraucht. Ich habe mir angewöhnt, auf dem Weg zu solchen Aktivitäten zu beten: „Lass mich heute Segen erfahren und zum Segen werden“ – und manchmal öffnet sich eine Tür für ein tiefes Gespräch. So wie morgens im Café mit den Jungs nach dem Surfen.

Adrian ist sichtlich hin und hergerissen. Seit wir uns kennen, hat sich sein Blick aufs Christsein verändert. Er ist neugierig geworden, es bewegt ihn. Aber mittlerweile ist es schon kurz vor zehn. Er muss zur Uni und José zu einem Arbeitsmeeting. Wir fahren zurück in die Stadt und verabschieden uns herzlich. Während ich die beiden mit ihren Surfbrettern unterm Arm wegschlendern sehe, bete ich, dass sie Jesus begegnen. Und so wie ich das Salz noch auf meiner Haut spüre, hoffe und glaube ich, dass ich für meine Freunde in Jesu Sinne Salz in ihrem Leben bin.

Raphael und Alexandra Stein sind Missionare in Las Palmas de Gran Canaria

*Namen wurden geändert

Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2025) erschienen.