32 Nationen beim 8. Internationalen Missions- und Gemeindetag

32 Nationen beim 8. Internationalen Missions- und Gemeindetag

Zwei Generationen, eine Mission – Gemeinsam Gemeinde gestalten

„An der Liebe untereinander werdet ihr erkannt werden.“

Was bedeutet es heute, als internationale und generationenübergreifende Gemeinde unterwegs zu sein? Was hält uns zusammen – trotz kultureller Unterschiede, Sprachbarrieren und Generationenkonflikten? Der 8. Internationale Missions- und Gemeindetag, der Menschen aus über 32 Nationen zusammenbrachte, stellte sich dieser Frage mit Tiefgang, Ehrlichkeit und Hoffnung. Das Thema: „Zwei Generationen, eine Mission: miteinander Gemeinde gestalten.“

Lobpreis in vielen Sprachen – und doch ein Herzschlag

Schon der Einstieg in den Tag zeigte: Hier kommen Menschen zusammen, die auf den ersten Blick verschieden wirken – aber im Herzen eins sind. Kraftvolle, mehrsprachige Lobpreislieder erfüllten den Raum und ließen schnell spüren: Gott spricht jede Sprache, und Einheit ist möglich, wenn wir gemeinsam vor ihm stehen.

Zwischen zwei Kulturen: Bao erzählt

Im bewegenden Interview berichtet Bao, Migrant der zweiten Generation, wie es sich anfühlt, zwischen zwei Kulturen zu leben. „Ich bin deutsch – und auch aus einer anderen Nation. Und das ist okay.“Seine Worte trafen einen Nerv. Er sprach über die Spannung, die entsteht, wenn Kulturen und Generationen aufeinandertreffen – und über die Wege, wie echte Gemeinschaft wachsen kann.

Sein Schlüssel: Der Dialog. Ein echtes Zuhören. Die Frage: „Was brauchst du?“ – so einfach und doch so machtvoll. Erst wenn wir anfangen, einander zu verstehen, können wir das Potential beider Seiten erkennen – und gemeinsam Gemeinde gestalten.

Hoffnung aus Heidelberg: Murat Yulafci inspiriert

Auch Murat Yulafci brachte eine eindrucksvolle Geschichte mit. In Heidelberg kämpfte seine Gemeinde lange vergeblich um eigene Räume. Doch trotz Rückschlägen blieb das Team treu – und wurde belohnt: Heute dürfen sie die größte katholische Kirche der Stadt nutzen.

Seine Botschaft war klar und ermutigend:
„Sei treu, gib Gas – aber vergleiche dich nicht.“
Mehr als 80 % unserer Gemeinden zählen weniger als 100 Gottesdienstbesucher. Viele träumen von der „Megachurch“, aber Jesus wirkt oft gerade im Kleinen. Und: 9 von 10 Menschen finden durch Familie oder Freunde zum Glauben. Gemeinschaft ist der Schlüssel. Jesus selbst suchte vor seinem Tod und nach seiner Auferstehung Gemeinschaft beim Essen.

Vergebung öffnet Türen – und Herzen

Immer wieder wurde deutlich: Ohne Vergebung geht es nicht. Wer international zusammenarbeitet, erlebt auch Verletzungen. Doch wahre Liebe – so wurde betont – ist bedingungslos. Sie fragt nicht zuerst nach Leistung oder Herkunft. Sie liebt – einfach so. Und genau daran soll die Welt uns Christen erkennen.

Die herausfordernde Frage an alle Teilnehmenden lautete daher:
Wenn Menschen an Christen denken – denken sie dann an Liebe?

Gott der Generationen: Duc An Mai ruft zur Verantwortung

Der Pastor Duc An Mai von der FeG Immanuel Harpstedt brachte eine leidenschaftliche Botschaft. Gott sei der Gott der Generationen – und der Feind habe es schon immer auf die junge Generation abgesehen. Umso wichtiger, dass Gemeinden Orte sind, wo junge Menschen ein Zuhause finden.

Seine drei Impulse:

  1. Ein Zuhause schaffen, wo Generationen sich als Familie erleben.
  2. Das Evangelium klar und früh verkünden – es darf kein Geheimnis bleiben.
  3. Gottes Visionen in Menschen entdecken, Gaben fördern, Leiter ausbilden – und ihnen Raum geben.

„Ich glaube, Gott möchte, dass wir mit drei Generationen Gemeinde bauen.“ – Dieser Satz blieb haften.

Nachmittags: Gemeinde praktisch denken

Am Nachmittag wurde das Thema in vielfältigen Workshops vertieft. Mit Titeln wie „Next Generation trifft Urgestein“oder „Glauben verbindet“ ging es darum, ganz praktisch zu werden:
Wie gelingt es, Verantwortung weiterzugeben? Wie fördern wir junge Leiter? Wie können Kinder aus internationalen Familien im Glauben gestärkt werden?

Die Workshops zeigten: Die Herausforderungen sind groß – aber die Chancen noch größer.

Zum Abschluss feierten alle Teilnehmenden gemeinsam Abendmahl, versammelten sich in Gebetsgruppen und wurden als internationale und generationenübergreifende Familie unter Gottes Segen gestellt.

Ein Tag, der Mut machte – und zeigte, wie lebendig Gottes Gemeinde sein kann, wenn wir gemeinsam unterwegs sind.

Michael Hörder ist Referent für Migration und Integration

Der Artikel ist auch in unserem Magazin move (November 2025 – Januar 2026) erschienen.