Vor rund vier Jahrzehnten begann die Arbeit der „Freunde für Seeleute“ im Hamburger Hafen. Nun startet mit den Ehepaaren Lydia und Micha Lamaack sowie Olga und Mirco Rühle eine neue Generation von Missionaren.
Lydia und Micha Lamaack
Wir sind Lydia und Micha Lamaack und seit Anfang 2025 als Missionare unter Seeleuten im Hamburger Hafen tätig. Gott rief Micha bereits 2017 während eines Missionseinsatzes auf den Philippinen in die Seemannsmission. Über die Jahre bestätigte sich diese Berufung durch praktische Erfahrungen, den Rat reifer Glaubensgeschwister und ein besonderes Anliegen für die Zielgruppe der Seeleute. Als er Lydia kennenlernten, war sie sofort begeistert und bereit, diesen Weg mitzugehen.

Micha hat eine theologische Ausbildung an der Bibelschule Brake sowie ein Studium in Sozialer Arbeit und Diakonie abgeschlossen und macht derzeit einen Master in Intercultural Studies. Lydia ist staatlich geprüfte Physiotherapeutin und arbeitet voller Freude mit Kindern in einer Rehaklinik.
Hoffnungsgeschichte: „Ich habe meine vier Monate alte Tochter noch nie gesehen.“
Das erzählte mir (Micha) Dom an Bord eines Schiffes. Ich dachte an die Väter, die den ersten Schrei ihres Kindes als unvergesslichen Moment beschreiben – und Dom konnte nicht dabei sein? Wie muss es sein, zu wissen, dass das eigene Kind schon vier Monate lebt und man es noch nie gesehen hat? Dom lächelte freundlich, wie es viele Filipinos tun, doch ich merkte, wie hinter diesem Lächeln Traurigkeit lag. Ich überlegte, was ich sagen könnte – hatte aber den Eindruck: Es ist besser, einfach zuzuhören. Als Seemannsmissionare können wir ihm seine Tochter nicht bringen, auch den Schmerz nicht nehmen. Aber wir können da sein. Zuhören. Beten. Mitgefühl zeigen. Und mit dem Evangelium Licht in diese Dunkelheit tragen.
Olga und Mirco Rühle
Wir sind Olga und Mirco Rühle. Olga ist gelernte medizinische Fachangestellte und hat nach ihrer Ausbildung Theologie studiert. Mirco ist Fluggerätemechaniker und Hubschrauberpilot und hat die letzten drei Jahre als Projektleiter gearbeitet. Bei der Allianzgebetswoche 2024 schlug Mircos Herz höher, als Martin Otto (Gründer der Freunde für Seeleute) ihn darum bat, für einen Nachfolger zu beten. Zu Hause angekommen, erzählt er Olga davon. Sie meinte, dass sie den Gedanken, dass Mirco gut in die Arbeit passen würde, bereits vor drei Jahren hatte. So begannen sie, sich intensiv mit dem Thema Mission zu beschäftigen.
An der Arbeit als Missionar unter Seeleuten fasziniert Mirco, dass kein Tag wie der andere ist. Man trifft immer neue Menschen und kann auf der einen Seite das Evangelium in Massen streuen, auf der anderen Seite einzelnen Seeleuten in schwierigen Situationen zur Seite stehen.

Gut Begleitet
Im Moment werden Micha und Mirco von den Missionaren Martin Otto und Volker Lamaack begleitet, die seit Jahrzehnten mit großer Erfahrung in der Seemannsmission wirken. Von ihnen dürfen sie lernen und Schritt für Schritt in diesen Dienst hineinwachsen. Langfristig werden sie eigenständig die Schiffe besuchen und die Arbeit in Hamburg weiterführen. Dabei wollen sie das über viele Jahre Gewachsene bewahren und zugleich neue Chancen nutzen – etwa das Internet, um Seeleute auch aus der Ferne besser zu erreichen und zu begleiten.
Hoffnungsgeschichte: Tränen der Freude in den Augen
Die Klasse von unserem ältesten Sohn hat Bilder für Seeleute gemalt. Diese konnte Mirco mit unserem Sohn auf ein Schiff bringen, welches wegen Reparaturen 5,5 Wochen in Hamburg lag. Die Seeleute haben sich so sehr gefreut, dass unser Sohn die Bilder signieren musste und die Seeleute teilweise Tränen der Freude in den Augen hatten. Einige haben Bilder mit unserem Sohn gemacht, um diese der Familie zu Hause zu schicken. Ein Seemann hat beim Essen mit seiner Frau per Video telefoniert, ihr ganz stolz das Bild gezeigt und von dem Schulprojekt erzählt. Das hat uns gezeigt, dass man den Seeleuten mit Kleinigkeiten eine große Freude machen kann. Sie fühlen sich wertgeschätzt und gesehen. Das, was ihre eigenen Kinder ihnen aufgrund der Distanz nicht geben können, haben sie hier von fremden Kindern bekommen.
Lydia und Micha Lamaack und Olga & Mirco Rühle sind Missionare für Seeleute im Hamburger Hafen
Der Artikel ist in unserem Magazin move (November 2025 – Januar 2026) erschienen.
