Volker Dickel kennt die Herausforderungen von Missionaren – als ihr Seelsorger aber auch als ehemaliger Missionar auf den Philippinen. 36 Jahre Erfahrungen bei der Allianz-Mission sind seine Basis.
„Kulturen sind unterschiedlich. Auf den Philippinen habe ich häufig auf meine philippinischen Partner gewartet“, erzählt Volker. „Ich habe oft gedacht, ach du liebe Zeit. Warum können die nicht pünktlich sein? Wenn sie dann kamen, sagten sie: ‚Du ich war gerade noch in einem Gespräch mit jemandem. Ich kann doch nicht einfach den Menschen stehen lassen und sagen, ich habe keine Zeit mehr für dich’.‘“ Es brauchte seine Zeit, bis er verinnerlicht hatte, das beziehungsorientierte Kulturen anders funktionieren.
Kulturen sind unterschiedlich und damit meist anders als die, in denen Missionare einmal aufgewachsen sind. Jede Kultur hat ihre durch den Sündenfall belastenden Aspekte. Auf den Philippinen waren es viele Jahre Kolonialzeit. „Die weißen Bleichgesichter waren die Unterdrücker“, erklärt Volker. Hier ging es damals für ihn und seine Frau Rosemarie darum, Kultur auch neu zu prägen. Während sie ihre Zeit brauchten sich auf das neue Land einzulassen, wuchsen ihre Kinder als Filipinos auf. Kinder passen sich schnell an. Ihre Herausforderung steht bevor, wenn sie im Heimataufenthalt oder nach der Schule plötzlich mit einer ihnen fremden Kultur konfrontiert sind. Volkers Kinder sprechen als „Third-Culture-Kids“ (Dritt-Kultur-Kinder) flüssig drei Sprachen und sind weltoffen. Die Identitätsfrage brauchte jedoch ihre Zeit, um geklärt zu werden.
Vergrabenes kommt ans Licht
Die Probleme, mit denen Missionare zu Volker kommen, sind meist dieselben wie die, mit denen Menschen in Deutschland auch zu kämpfen haben. Bei Missionaren und Missionaren sind diese jedoch noch eine Portion mehr herausfordernd durch das, was aus dem Umfeld hinzukommt: Die fremde Sprache, das
Klima, die andere Lebensweise, mancherorts Sicherheitsrisiken oder Umweltkatastrophen ziehen zusätzlich nicht zu unterschätzende Kraft im Alltag. Auch kommt in der Flut der Umstände so manches hoch. „Wir werden in eine gefallene Welt hineingeboren. Erfahrungen die Kinder machen, stecken sie oft erst mal gut weg. Aber in herausfordernden Zeiten kommen solche Themen wieder ans Licht.“ Deshalb ist es uns als Allianz-Mission so wichtig, dass sich Missionare vor der Ausreise mit tief liegenden seelischen Wunden befassen. „Die Themen gehen nicht einfach weg. Sie haben im Missionsland das Potenzial, ein intensives Eigenleben zu führen“, weiß Volker.
„Du wirst, wenn du Missionar wirst, nie ein Einheimischer. Und wenn du nach Deutschland kommst, stellst du fest, du bist kein richtiger Deutscher mehr.“
Für ihn war es in der philippinischen Hauptstadt Manila die extreme Luftverschmutzung sowie das feuchtheiße Klima. Auch musste er erleben: „Du wirst, wenn du Missionar wirst, nie ein Einheimischer. Und wenn du nach Deutschland kommst, stellst du fest, du bist kein richtiger Deutscher mehr.“ Erfahrungen im Ausland prägen für ein ganzes Leben. Das geht bereits den Shortys im GoGlobal Auslandsjahr so.
Dem Teufel nicht das Feld überlassen
Wie geht man mit all diesen Dingen um? Volker ist es wichtig zu vermitteln: „Es ist ganz normal, was du empfindest. Das gehört zum Missionar sein dazu.“ Dann geht er das oben liegende Thema mit ihnen an: Spannungen im Team. Schwierigkeiten in der Ehe. Kindheitsthemen. Manches Mal steht mit den Herausforderungen die Existenzfrage im Raum. Was ist, wenn ich „scheitere“?
Volker leitet in der Seelsorge Johannes 10,10: „‘Jesus ist gekommen, Leben zu schenken. Leben in Fülle.‘ Das ist mein Wunsch für die Menschen, die ich begleite. Der Vers fängt jedoch an mit dem, der gegen Gott unterwegs ist: Er stiehlt und raubt und macht kaputt – wozu er letztlich kein Recht hat. Ich habe keine Lust, da dem Teufel das Feld zu überlassen.“ Wo Volker an seine Grenzen kommt, leitet er an fachliche Begleitung in bestimmten Bereichen weiter.
Und die Gemeinden?
Auf die Frage, wie Gemeinden gut an der Seite ihrer Missionare stehen können, antwortet Volker mit „gute Kommunikation“. Es braucht ein Verständnis innerhalb der Gemeinden, was für Herausforderungen Missionare begegnen. Er verbrachte früher viele Monate im Heimataufenthalt und konnte so viel Zeit mit seiner aussendenden Gemeinde verbringen. Heute sind Missionare oft nur kurz in Deutschland und die Zeit ist vollgepackt bis oben hin. Es braucht Demut auf beiden Seiten – auf der der Gemeinde und der der Missionare. Dann können beide Seiten von der Beziehung gewinnen: Einblicke in eine andere Welt, Gottes Wirken durch eigenes Invest und tiefe Glaubenserfahrungen.
Lassen Sie uns gerne wissen, wo wir Ihre Gemeinden unterstützen können!
Volker Dickel ist Teil der Unit People und war Missionar auf den Philippinen
Der Artikel ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) erschienen.
