Echt Deutsch? Was ist das?

Echt Deutsch? Was ist das?

Andreas Scholz ist nicht ganz so deutsch, wie er klingt aber deutscher, als er einen Großteil seines Lebens gehalten wurde. Als neuer Referent für internationale Gemeindearbeit in Deutschland im Bund FeG will er internationale Gemeindegründungen in Deutschland voranbringen und bestehende monokulturell-ethnische Gemeinden begleiten.

„Boanta“, liest der Professor laut vor. Andreas meldet sich – ja, er ist da. „Nicht Sie“, erhält er zur Antwort. „Ich meine die da.“ Er verweist auf Andreas‘ dunkelhäutige Kommilitonen. „Nein, ich heiße Andreas Boanta“, stellt Andreas in akzentfreiem Deutsch klar. Der Professor lässt ihn mit seinem Personalausweis nach vorne kommen. Nach diesem Tag scheint er Andreas auf dem Kieker zu haben.

Solche Momente zogen sich von seiner Kindheit an bis zu dem Tag, an dem Lara seine Frau wurde, durch sein Leben. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, Deutscher zweiter Klasse zu sein.“ Als Andreas vor den Traualtar tritt, weiß er, er will ein „echter Deutscher“ werden. Seitdem heißt er Scholz mit Nachnamen.

Auf der Suche nach Heimat

Andreas Eltern kamen aus Rumänien nach Deutschland. Sie erzogen ihre Kinder so gut es ihnen möglich war deutsch: nicht zu temperamentvoll, „wohlüberlegt und sachlich“. Sie sprachen gebrochenes Deutsch zu Hause – nur wenn sie stritten, rutschten sie ins Rumänische. Als Familie hatten sie eine sehr starke Verbindung. Vielleicht weil ihr doch auch fremd sein sie zusammenschweißte.

Familie Boanta besuchte eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten. Hier bildete sich die Vorstellung eines strengen Gottes. Als Andreas mit 14 Jahren eine Begegnung mit Jesus hatte, begann er jedoch dieses Bild infrage zu stellen: „Plötzlich merke ich wie Jesus in mein Leben kam. Ich hatte in der Bauchgegend so eine Dunkelheit und plötzlich wurde es hell in mir. Ich sah Jesus für meine Sünden am Kreuz sterben und all meine Schuld, all das Dunkle war weg. Ich wusste ich bin geliebt“, erinnert sich Andreas mit seinem schiefen Lächeln. „Er hat sich mir einfach offenbart auf eine ganz schöne Art und Weise.“

Diese Erfahrung ließ ihn viele Fragen stellen. Sie führten ihn zunächst in eine Christengemeinde, die er in den Gelben Seiten fand. Eines Abends kam der Jugendpastor zu ihm: „Andreas, komm bitte nicht mehr.“ „Warum?“ „Du stellst uns zu viele Fragen. Du bringst die Leute durcheinander.“

Andreas besuchte danach eine charismatische Gemeinde aber auch hier fand er kein geistliches Zuhause und ging wieder. Auch drei Jahre später mit Anfang 20 war er noch begeistert von Jesus, doch das Thema Gemeinde blieb schwierig. „Gemeinde ist ein seltsamer Ort.“

Endlich angekommen

Andreas studierte zunächst Medizin – aus familiärer Tradition, kann man sagen. Nach einem Semester wechselte er in die Business-Richtung. Hier ging er voll auf. Zudem fand er in Mönchengladbach eine FeG-Gemeindegründung, in der er sich schnell wohlfühlte. Seine Fragen hatten in Chaträumen Antworten gefunden und online lernte er bei Jesus.de auch Lara, seine heutige Frau, kennen.

Als Andreas als Betriebswirt arbeitete, erkrankte seine große Schwester unerwartet an Krebs. In dieser Zeit erlebten er und seine Familie Gottes Reden „wie noch nie. Gott hat sie nicht geheilt, aber er war überall da.“ Seine Schwester starb innerhalb eines halben Jahres. Es wirkt paradox, doch sagt Andreas heute, dass ihn diese Erfahrung rückblickend näher zu Gott brachte. „Diese Zeit hat mich noch mehr von Gottes Liebe überzeugt.“

Auch hatten Lara und Andreas unabhängig voneinander den Eindruck, dass Gott sie in den vollzeitigen Dienst ruft. Für Andreas ging der Weg über das Sozialpädagogik-Studium. Nun ist er für Bund FeG und Allianz-Mission tätig und Nachfolger von Willi Ferderer, der in den Ruhestand gewechselt ist. Als solcher ist es seine Aufgabe, die Gründung internationaler Gemeinden in Deutschland voranzubringen.

Der Bund wird bunter

Vor einigen Wochen begegnete Andreas ein Pastor einer Gemeinde mit hoher, deutscher Altersstruktur. Im Umfeld der Gemeinde leben viele Migranten. „Wir haben jahrelang versucht, Leute zu erreichen, die es gar nicht mehr gibt“, berichtete ihm der Pastor. In der Jugendarbeit dagegen sieht er 20 Teens aus migrantischem Umfeld kommen. Er stellte Andreas gegenüber fest, „eigentlich müssen wir eine internationale Gemeinde werden.“ Was es dafür braucht? Vor allem Offenheit und Wertschätzung.

„Mein Wunsch ist, dass wir die gesellschaftliche Realität widerspiegeln und dass wir eine Heimat für alle Menschen werden“, erklärt Andreas. Das Reich Gottes kennt keine Ethnien und Nationen. Genau in diesem Bereich kommt ihm etwas zugute: seine eigene Erfahrung als Migrant und seine eben doch temperamentvolle Art.

Andreas Scholz

So alt bin ich: 40 Jahre jung
Hobbys: Familie, Dachzelten, E-Gitarre
Das genieße ich: einen guten direkt gehandelten Kaffee aus Äthiopien
Job beim Bund FeG/bei der AM: Referent für Internationale Gemeindearbeit in Deutschland
Bibelvers, der viel Bedeutung hat: Hebräer 11
Jesus für mich: Meine Leuchte im Nebel des Lebens, der ich nachfolgen kann
Zuhause ist für mich…: wo ich mit Menschen Gemeinschaft haben kann.
Wenn ich an meine Grenzen komme, …: gehe ich in der Natur spazieren und spreche mit meinem HERRN

Das Gespräch führten Evelyn Clement, Redaktionsleitung der move und Artur Wiebe, Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit im Bund FeG

Das ausführliche Gespräch im Podcast

Der Artikel ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) erschienen.