Im Interview spricht Wolfgang Büsing, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM)1 über Konflikte, Wandel und das Vertrauen, jungen Menschen Freiraum zu geben – mit Pippi-Langstrumpf-Glauben.
Wolfgang, du warst früher Pastor und hast schon große Projekte begleitet – unter anderem ProChrist 1993 mit Billy Graham. Ich habe damals mein Ja zu Jesus gesagt. Du warst mitten in der Organisation. Wie war das?
Ja, das war eine spannende Zeit. Ich war Geschäftsführer von ProChrist 93, eine europaweite Evangelisation per Satellit – damals technisch Neuland. Ich war anfangs skeptisch, aber dann begeistert: Billy Graham live zu hören, gleichzeitig hunderte lokale Veranstaltungen mit eigenem Programm – das war stark. Und ich habe gelernt, wie viel man mit einem kleinen, internationalen Team bewegen kann.
Rückblick auf gesammelte Erfahrungen

Auf deinem mittlerweile langen Weg – wo hast du gezweifelt oder gehadert?
Ich arbeite gern im Team, ob in Gemeinde oder Leitung. Aber Konflikte gehören dazu – und wir reden oft zu spät darüber. Das hat mich immer wieder an Grenzen gebracht. Als Norddeutscher spreche ich Dinge lieber direkt an. Wenn man das nicht tut, wird’s später viel mühsamer.
Du leitest die AEM seit über 30 Jahren – eine lange Zeit. Wie hat sich dein Blick auf Weltmission verändert?
Mission ist heute polyzentrisch geworden – also von überall in alle Richtungen. Früher kamen Missionarinnen und Missionare meist aus dem Westen, heute auch aus Brasilien, Korea und Kenia. Wir sind Teil internationaler Teams, oft eingebunden in lokale Strukturen. Es geht mehr ums Hören: Was brauchen Gemeinden vor Ort? Und um Demut.
Ist dieses neue Denken in den deutschen Werken angekommen?
Ja, in den meisten Fällen schon. Manche Werke hängen noch an alten Strukturen oder kommunizieren gegenüber Spendern so wie früher. Aber insgesamt wächst das Bewusstsein, dass wir Teil einer weltweiten Bewegung sind.
Du warst gerade bei der Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz in Südkorea. Was hast du dort gelernt?
Mich beeindruckt, mit welchem Engagement Leiter aus Ländern mit viel weniger Ressourcen Mission leben. Viele sind berufstätig und trotzdem voller Leidenschaft. Davon können wir lernen. Und man spürt: Mission geschieht heute viel mehr gemeinsam, vernetzt und regional verwurzelt.
Herausforderungen und der Umgang damit
Welche Herausforderungen siehst du, die oft überhört werden?
Migration, soziale Ungleichheit, Klima – das sind große Themen. Sie sind nicht unser Kernauftrag, aber wir dürfen sie auch nicht ignorieren. Besonders Migration prägt Mission stark: Viele Christen sind selbst Migranten. Die Frage ist, ob wir sie begleiten. Du hast über die Jahre viele internationale Freundschaften geknüpft.
Was bedeutet dir das persönlich?
Sehr viel. Ich habe Freunde auf der ganzen Welt – wir schreiben, telefonieren, beten miteinander. Sprache ist manchmal eine Barriere. Aber ich hoffe, dass KI-Übersetzung künftig hilft, noch besser verbunden zu bleiben.
Wenn du an die junge Generation denkst – was kann Mission von ihr lernen?
Viel! Junge Christen engagieren sich für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Teilhabe. Sie wollen Teil einer Bewegung sein, nicht nur eines Programms. Wir Älteren müssen Räume schaffen, in denen sie gestalten dürfen – auch wenn wir nicht immer wissen, was dabei herauskommt. Ich war selbst erst 28, als ich die AEM übernahm. Das gleiche Vertrauen wünsche ich heute den Jüngeren.
Welche Herausforderungen stehen den Missionswerken in Deutschland bevor?
Wir müssen Begegnungsräume schaffen – zwischen Gemeinden hier und Christen aus dem globalen Süden. Es geht nicht mehr darum, wie wir helfen, sondern darum, was Gott den Menschen vor Ort zeigt. Das erfordert Beziehung, Vertrauen und gute Kommunikation mit Spendern.
Getragen in die Zukunft
Wenn du nach vorne blickst – was begeistert dich an der Zukunft der Mission?
Mich begeistert, dass Gott Kulturen miteinander verbindet. Wir haben mit „Jesus Unites“ begonnen, fremdsprachige und deutsche Gemeinden zusammenzubringen. Wenn das wächst, wird das Mission hier und weltweit prägen – weil Menschen ihre Netzwerke und Familien in viele Länder hineintragen.
Zum Schluss: Gibt es einen Bibelvers, der dich getragen hat?
Ja, mein Konfirmationsvers aus Epheser 6: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ Es erinnert mich: Es liegt nicht an mir, sondern an ihm.
Welchen einen Satz gibst Du unseren Leserinnen und Lesern mit?
Frei nach Pippi Langstrumpf: „Das habe ich noch nie gemacht – das wird bestimmt gelingen.“ Mit Gottes Hilfe dürfen wir mutig Neues wagen.
Das Interview führte Simon Diercks, Unit Lead Relations
Das Interview ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) sowie in unserem Podcast „Weltbeweger“ erschienen.
1 Die AEM (Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen e. V.) ist der größte evangelische Missions-Dachverband in Deutschland, in dem zahlreiche christliche Missionsgesellschaften und Ausbildungsstätten zusammenarbeiten, um Mission in Wort und Tat weltweit zu fördern und Gemeinden zu vernetzen.
