Wenn der Lauf schwer wird

Wenn der Lauf schwer wird

Gemeinden kann man auf unterschiedliche Weisen in unterschiedlichem Tempo bauen. Hans Andereya begleitet drei Projekte in ihrem anfänglichen Stolpern und aufblühen.

Manchmal fühlt sich Mission an wie ein Staffellauf. Wir sehen das Ziel, spüren den Ruf – und rennen los. Doch kaum haben wir Fahrt aufgenommen, merken wir: Nicht alle, die mit uns rennen, tun das in dieselbe Richtung oder mit demselben Einsatz. Manche klammern sich an den Stab, statt ihn weiterzugeben. Andere laufen mit, nur um kurz darauf wieder stehen zu bleiben. Und manchmal heißt es, nicht nur den Staffelstab, sondern auch die Mitlaufenden zu tragen.

Wir kamen nach Teneriffa, um eine neue Gemeinde zu gründen – eine Gemeinschaft für Menschen, die mit Kirche wenig anfangen können, aber offen sind, Gott zu begegnen. Doch als wir die Not der bestehenden Gemeinden sahen, konnten wir nicht einfach wegsehen. So wurden aus einer Gründung plötzlich drei Projekte.

Wir sind nun gemeinsam unterwegs – eine Gemeinde mit mehreren Campus, drei Orte, drei Ausdrucksformen, aber eine gemeinsame Leitung und Vision. In La Cuesta und bei der GEC in Puerto de la Cruz begegnen uns Geschichte, gewachsene Strukturen und Menschen, die ihr Leben lang Kirche geprägt haben. Es sind Orte voller Glauben und Treue – und gleichzeitig Orte, an denen Veränderung schmerzhaft ist. Viele ringen damit, Neues zuzulassen, ohne das Vertraute zu verlieren. Ganz anders La Laguna: Dort entsteht gerade ein Campus für die jungen Generationen – offen, kreativ, experimentierfreudig. Hier ist noch nichts festgelegt, und gerade das macht Raum für Aufbruch. Alt und Neu sind nun gemeinsam unterwegs – verbunden durch denselben Auftrag, aber mit sehr unterschiedlichem Tempo. Und genau das macht den Lauf schwer.

Drei Gemeinden, viele Erwartungen. Anfangs war die Begeisterung groß: „Ja, wir wollen Neues wagen, Menschen Hoffnung bringen!“ Doch Begeisterung wird leiser, wenn Veränderung spürbar wird. Jeder wünscht sich, dass Neues entsteht – aber bitte ohne dass sich das Eigene verändert. Wir sagen, wir wollen, dass das Evangelium die Welt verändert, doch oft hoffen wir unbewusst, dass sie dabei mehr uns ähnlicher wird – statt dass wir alle gemeinsam Christus ähnlicher werden.

Diese Spannung begleitet uns täglich in der Missionsarbeit. Sie kostet Kraft, Geduld und manchmal auch Tränen. Und trotzdem laufen wir weiter – nicht weil wir unermüdlich wären, sondern weil wir wissen: Der Stab, den wir weitergeben, ist letztlich nicht in unserer Hand, sondern in Seiner.

Er läuft mit uns. Manchmal sind wir diejenigen, die sich auf Seinen Schultern wiederfinden – Er trägt uns, wenn wir stolpern. Und Er hat versprochen, dass das Ziel nicht verfehlt wird.

Claudia und Hans Andereya sind Missionare auf Teneriffa, Spanien

Der Artikel ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) erschienen.