Das „Lighthouse“ (deutsch: Haus des Lichts) in Tadschikistan soll ein Ort der Zuflucht sein. Es ist eine Initiative christlicher Psychologinnen und Berater, die den Menschen in ihrer Not begegnet.
Kulturelle Spannungen und persönliche Kämpfe
Für mich als Leiterin, die in einer anderen Kultur aufgewachsen ist, ist es oft herausfordernd auszuhalten, was Frauen hier erleben – oder Menschen, die gesellschaftlich einen niedrigeren Rang haben.
In einer Kultur, in der Beziehungen oft mit Macht verknüpft sind, in der Anpassung Überlebensstrategie ist und echte Begegnung Mut kostet, möchte ich, dass „Lighthouse“ ein sicherer Ort ist: wo Menschen zu sich selbst finden können – und noch mehr: wo sie der liebevollen Gegenwart Gottes begegnen.
Zurzeit kommen viele Frauen zur Beratung, die „zweite Frauen“ sind. Ich darf sie begleiten in ihrer Not, in der Spannung zwischen Sehnsucht und Schmerz. Viele erleben, wie schwer es ist, den Mann zu teilen, dass die Kinder nur selten den Vater sehen – und dennoch Würde zu bewahren.
Mission in einem muslimischen Umfeld
Es bleibt eine große Herausforderung, in einem Land zu arbeiten, das offiziell Religionsfreiheit kennt, aber zu 99 % muslimisch geprägt ist. Christlicher Glaube gilt vielen als fremd, ja als Gefahr oder Schande. Und doch: gerade junge Menschen in den Städten suchen nach Alternativen. Sie stellen Fragen, die in ihrer religiösen Erziehung keinen Raum haben. Sie ringen mit ihrer Prägung und ihrem Gewissen, mit dem Wunsch, Ehe, Familie und Glauben anders zu gestalten.
In dieser Spannung dürfen wir Wegbegleiter sein. Nicht laut, nicht kämpferisch – sondern als stille Zeugen eines Gottes, der liebt und nicht verurteilt.
Zwischen Kontrolle und Vertrauen
Herausfordernd ist auch der Umgang mit Behörden, die spüren lassen, wer die Macht hat. Als Christin bin ich Teil einer kleinen Minderheit, oft ausgeliefert, manchmal beobachtet.
In solchen Momenten lerne ich neu, mich in die Zuflucht des Ewigen zu bergen – und zu wissen: Er behält die Kontrolle. Nicht ich.
Begleiten und wachsen
Meine größte Freude ist es, meine Mitarbeitenden zu begleiten: die erste Generation von Christinnen und Christen in diesem Land – durch Höhen und Tiefen, durch Glaubenszweifel und Enttäuschungen hindurch. Zu sehen, wie ihr Vertrauen tiefer wird, ist ein stilles Wunder.
Gleichzeitig sehe ich die Herausforderungen innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Viele Gemeinden, die nach dem Bürgerkrieg entstanden sind, tragen noch die Prägung der Kultur in sich: das Gottesbild, dem man „es recht machen“ muss und Rituale, die wichtiger scheinen als Beziehung.
Hier bin ich dankbar für unsere Partnerschaft mit einem professionellen christlichen Seelsorgeprogramm aus Deutschland, in dem ich Teil des Teams Zentralasien bin. Die Instrumente helfen, innere Überzeugungen zu hinterfragen und sie am Wort Gottes zu prüfen. Das ist für mich besonders wichtig, da Frauen in dieser Kultur oft wenig Gehör finden. Doch durch diese Werkzeuge sprechen Wahrheit und Gnade für sich – sie öffnen Herzen, auch bei Pastoren und Gemeindemitarbeitenden.
Zerbrochene Einheit
Schmerzlich ist auch, dass wir Christen – obwohl wir nur 0,01 % der Bevölkerung ausmachen – nicht als Einheit auftreten können. Unterschiedliche Denominationen, Misstrauen, theologische Differenzen: All das schwächt das Zeugnis. Und doch glaube ich: Jesu Gnade hat Raum für uns alle. „Lighthouse“ will genau das verkörpern – ein Ort der Annahme, des Vertrauens und der Verbindung, ein Haus nicht nur äußerer, sondern auch innerer Zuflucht.
Ein Haus des Lichts
… ist mehr als ein Projekt. Es ist ein Zeichen. Ein stiller Turm aus Licht in einer Welt, die Dunkelheit kennt. Ein Ort, wo Menschen aufatmen dürfen – und wo wir selbst lernen, was es heißt, im Namen des Ewigen zu wohnen.
Unsere Mitarbeitenden sind Missionare in Tadschikistan
Der Artikel ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) erschienen.
