„Lasst uns nie so arm sein, dass wir nur Geld zu geben haben.“

„Lasst uns nie so arm sein, dass wir nur Geld zu geben haben.“

Unser Fundraiser Felix Wiegner kam Anfang Februar nach Kenia, um dort an einer Konferenz teilzunehmen. Seine Aufgabe: Zuhören und von den vertretenen Afrikanern lernen.

Afrika ist ein sehr reicher und großzügiger Kontinent! Das könnte beim deutschen Leser zunächst zu Irritationen führen, schließlich haben wir zumeist ein anderes Bild vor Augen: Wir hier in Europa sammeln und spenden viel Geld für die Benachteiligten von Gambia bis Tansania. Aber der CAF-Report 2025 zeigt, dass – gemessen am Einkommen – drei der großzügigsten Länder in Afrika liegen. Europa (und auch Deutschland) hingegen weit abgeschlagen.

Von Afrika lernen

Um es vorwegzunehmen: Auch weiterhin benötigen unsere Geschwister, die Missionsarbeit und sozialen Einrichtungen in Afrika unsere Unterstützung. In den letzten 200 Jahren flossen mehrheitlich Finanzen, Mitarbeitende und auch Theologie sowie Missionsstrategien aus Europa und Nordamerika nach Afrika und in den globalen Süden. Wenn aber Großzügigkeit und auch Reichtum an Ressourcen sowie Innovation in Afrika so hoch sind, dann stellt sich die Frage, was wir von unseren Geschwistern dort lernen können.

„Wo keine Gier herrscht, passen sogar fünf Menschen unter die Haut eines Moskitos.“

Sprichwort aus Ruanda

Deshalb veranstaltete im Februar 2026 das Ministry Fundraising Network (ein Arbeitsbereich der Lausanner Bewegung) eine Konferenz in Kenia, die dies umdrehen sollte: Statt westliche Überlegungen über Großzügigkeit und Fundraising nach Afrika zu bringen, wurden ausnahmslos afrikanische Theologen, Missionsleitende und Fundraising-Spezialisten eingeladen. Sie sprachen über die afrikanische Perspektive auf Großzügigkeit und Fundraising.

In den insgesamt fünf Tagen hörte ich Fachvorträge, Diskussionsgruppen und Interviews, die diese großen Themen behandelten. Neben Forschungsergebnissen und wissenschaftlichen Thesenpapieren waren es gerade Geschichten, die mich und die Konferenzteilnehmer berührten. Geschichten über Gemeinden, die ihre
sozialdiakonische Arbeit gerade durch den unermüdlichen und aufopferungsbereiten Einsatz von Frauen ermöglichen konnten. Geschichten von Missionsorganisationen, die unabhängiger von westlichen Finanzen wurden, indem sie in nachhaltige Renditemodelle investierten. Geschichten von Großzügigkeit, die zuallererst ein Ausdruck von gereifter Jüngerschaft und Jesusnachfolge ist – und als solche in gesunden Gemeinden und theologischer Ausbildung als eine geistliche Frucht gefördert werden muss.

Miteinander Finanzen neu denken

Bei all den Themen geht es nicht um einen Wettbewerb „Wer spendet mehr oder gibt noch aufopferungsvoller?“ Aber es war spannend, zu sehen, welche blinde Flecken bei einem selbst (kulturell geprägt) vorherrschen, die eine andere Perspektive aufdecken können.

„Geben ist nicht verlieren. Es ist Bewahren für Morgen“

Sprichwort der Lozi aus Zambia

Für mich persönlich war es sehr bereichernd, den Geschwistern vor Ort zuzuhören, mich mit ihnen auszutauschen, Bibel zu lesen und zu beten mit der Frage:
Welche Perspektive hat Gott in all dem eigentlich? Hier liegt die schönste Form der Kollaboration: sie für jede Kultur und Generation gemeinsam herauszufinden.

Felix Wiegner ist Unit Lead Fundraising

Der Artikel ist in unserem Magazin move (Mai – Juli 2026) erschienen.

Einen ausführlichen Artikel mit den Hauptthesen der Redner lesen Sie hier