Er Deutscher, sie aus Venezuela – Unterschiede aneinander zu schätzen, wussten Carsten und Iris Berners schon vor ihrer Ausreise. Umso mehr nach zwei Jahrzehnten in dem Land, in das sie nie wollten: Japan.
Etwa 8.200 km liegen zwischen Carsten und Iris: Carsten stammt aus Siegen. Bis ihm jemand auf einer Klassenfahrt ein Traktat in die Hand gibt, hat er nichts mit dem Christentum zu tun. Lange Zeit las er allein in der Bibel, ohne Kontakt zu einer Gemeinde. Sein Glaube ließ in ihm den Wunsch wachsen, Menschen zu helfen. Nach dem Zivildienst im Altenheim und einer Lehre zum Bankkaufmann stellte er fest: Die beste Hilfe war das Evangelium. Carsten nahm daher 1995 an einem Evangelisationseinsatz in Berlin teil, wo er Iris begegnete.
Missionsgedanken
Iris kommt aus dem katholisch geprägten Venezuela. Ihre Familie vereint unterschiedlichste Kulturen: indigen, afrikanisch, latino. Ihre Tante ist bis heute praktizierende Hexe. Als ihre Mutter Christin wird, besuchen sie eine strenge charismatische Gemeinde. Iris lernt dort, dass Christen heilig leben – ein Anspruch, dem sie niemals genügen könnte. Ähnlich denkt sie über Missionare: „Früher war ich ein bisschen naiv“, erzählt sie mit ihrem fröhlichen, aufgeschlossenen Lachen.
„Ich dachte, Missionare sind perfekt …“ Aber während ihres Auslandsjahres in den USA lernte sie eine Frau kennen, die in Frankreich im Einsatz war. Iris war völlig erstaunt – sie schien so normal. „Ich fragte mich: Wo ist der Unterschied zu mir?!“ Das ließ ihr Interesse wachsen, selbst Missionarin zu werden.
Zurück in Venezuela, begegnete sie in ihrer Gemeinde einem Prediger aus einer anderen Stadt. „Er erinnerte mich an Gottes Liebe – trotz all meiner Fehler.“ Eine Weile begleitete er sie persönlich. Iris ist der Überzeugung, dass er für ihren weiteren Weg ausschlaggebend war. Auf seinen Rat hin ließ Iris sich taufen und studierte Theologie.
„Nach fast drei Jahren im Seminar bin ich dann nach Europa gereist. Ich ging zum internationalen Jugendmissionsteam.“ Dieses reiste durch Tschechien, Berlin und Rumänien. Besonders mit einem deutschen Teilnehmer sprach und lachte sie viel. Am Ende der Zeit, bevor sie nach Venezuela zurückflog, reichte er ihr einen seiner Jonglierbälle: „Den hole ich mir zurück.“
Gemeinsam in die Zukunft
Das tat Carsten: Er flog in diesem Jahr zwei Mal nach Venezuela. Sie sammelten Hunderte von Briefen. Carsten begann, am Theologischen Seminar Ewersbach zu studieren und Iris zog nach zwei Jahren in seine Nähe nach Siegen. Er bekam damals den Ratschlag, keine Ausländerin zu heiraten. Das sei zu herausfordernd. Doch Carsten sah die bereits überstandenen Herausforderungen. „Wenn Jesus das gewollt hätte, wäre es ein leichtes gewesen, uns auseinanderzubringen.“ Sie heirateten 1998 und bereiteten sich weiter auf den Missionsdienst vor.
„Für mich war klar, ich will überall hin, nur nicht nach China“, erinnert sich Iris lachend. Und daran, dass sie mit „China“ den ganzen asiatischen Raum meinte. Aber dann wurde nach Teilnehmern für einen Missionseinsatz in Japan gesucht. Carsten und Iris hatten weder Geld für solch eine Reise noch Interesse an dem Land. Sie einigten sich auf ein: „Wenn Gott das will, kümmert er sich darum.“ Am Abend folgten die ungefragten Worte eines Ältesten ihrer Gemeinde: „Wir bezahlen euch den Einsatz, wenn ihr wollt.“
Die perfekte Herausforderung
Carsten und Iris planten also 2001 ihre Missionsreise nach Japan und beschlossen, sich danach auch die Philippinen anzusehen – insgeheim tendierten sie dorthin für ihren Dienst. „Es war so ein guter Plan!“ Sie müssen grinsen. Doch das Team in Japan überzeugte sie. Hinzu kam: „Die Filippinos sind wie ich! Ich habe mich gefühlt wie in Venezuela!“ Iris liebt Herausforderungen so sehr. In Japan fiel sie auf mit ihrer Latino-Kultur, doch die Philippinen sind durch die Kolonialzeit spanisch geprägt. In der Mission sagte man ihnen sogar: „Carsten können wir uns ja in Japan vorstellen. Er ist ruhig, besonnen, harmonievoll … aber Iris?!“ Die asiatische Insel ist kein leichtes Pflaster: Es gibt selbst nach Jahrhunderten der Missionsarbeit kaum Christen. Das Ankommen allein dauert etwa zehn Jahre. „In Japan gibt es acht Millionen Götter. Jeder Stein, jeder Baum kann Gott sein.“ Carsten kann heute nachvollziehen, dass es da für viele Japaner so schwer ist, an einen einzelnen Gott mit Alleinstellungsanspruch zu glauben. Diese Herausforderung „Japan“ klang perfekt. Sie blieben 23 Jahre.
Treue Gemeinden
Etwa 9.211 km Entfernung und dennoch verbunden. Obwohl es wenige Berichte bekehrte Japaner gab, blieben sie dran – Iris und Carsten Berners staunen über zwei Jahrzehnte Unterstützung ihrer treuen neun Partnergemeinden in Deutschland. Sie wissen: Da stehen neben unserem treuen Gott auch Menschen an ihrer Seite, die das Wiedereinfinden im Siegerland unterstützen werden. Deshalb sagen sie von ganzem Herzen Danke!
Iris und Carsten Berners
- So alt sind wir:
- Iris: 54
- Carsten: 52
- Hobbys:
- Iris: Volleyball, Schreiben;
- Carsten: Motorrad fahren
- Das genießen wir: unser miteinander!
- Mission ist: unsere Lebensaufgabe
- Bibelvers, der für uns viel Bedeutung hat:
- Iris: Johannes 16,23f
- Carsten: Matthäus 7,12
- Jesus für uns:
- Iris: Leben
- Carsten: Heiland
- Manchmal können wir nicht schlafen, wenn: Sorgen nisten
- Zu Hause ist für uns: wo der andere ist.
- Kulturunterschiede sind: bereichernd.
- Unsere Partnergemeinden sind für uns: zuverlässige Begleiter.
Das Portrait schrieb Evelyn Clement, Radaktionsleitung
Der Artikel ist in unserem Magazin move (Mai – Juli 2026) erschienen.
