Eindrücke vom Africa Roundtable zur Theologie der Großzügigkeit und des Fundraisings (Limuru, Kenia | 2.–6. Februar 2026)

Eindrücke vom Africa Roundtable zur Theologie der Großzügigkeit und des Fundraisings (Limuru, Kenia | 2.–6. Februar 2026)

Ich bin als Mitarbeiter der Allianz-Mission ehrenamtliches Mitglied des Ministry Fundraising Network (MFN), ein Netzwerkbereich der Lausanner Bewegung. Dieses Netzwerk organisierte den Africa Roundtable on the Theology of Generosity and Fundraising in Limuru/Kenia (2.–6. Februar 2026). Die Konferenz erstreckte sich über fünf Tage und brachte über 60 Teilnehmende zusammen – Theologinnen und Theologen, Leiterinnen und Leiter von Kirchen und Werken, Mission Mobilisers sowie Fundraising-Praktiker aus zwölf afrikanischen Ländern. Gleichzeitig trugen eine Reihe von Referierenden (rund 14 Haupt-Speaker) die Plenums-Impulse und Sessions.

Das Besondere war nicht nur das Thema, sondern das Setting: Die Runde war bewusst „countercultural“ angelegt – invitation only, mit dem erklärten Ziel, dass afrikanische Stimmen die Inhalte prägen. MFN hat die Konferenz organisiert und moderiert, aber nicht inhaltlich dirigiert. Es sollte ausdrücklich keine Veranstaltung sein, in der „ausländische Experten“ nach Kenia fliegen, um Afrikanern zu erklären, wie Großzügigkeit, Fundraising oder Accountability funktionieren. Stattdessen ging es darum, einen Raum zu schaffen, in dem afrikanische Leiter ihre eigenen Theologien artikulieren, ihre Geschichten teilen, ihre Daten reflektieren, Erfolge feiern und Herausforderungen ehrlich benennen – als Beitrag nicht nur für Afrika, sondern für die weltweite Kirche.

Diese Haltung passt zum Selbstverständnis von MFN: Wir verstehen Ressourcenmobilisierung nicht eindimensional als Geldfluss „von reich nach arm“, sondern als polyzentische Bewegung, in der unterschiedliche Ressourcen – Zeit, Fähigkeiten, Beziehungen, Geld, Ideen und Innovation – von überall zu überall fließen, damit Gottes Mission vorankommt. Für mich als deutscher Teilnehmer war das eine seltene Gelegenheit, die afrikanische Perspektive auf Großzügigkeit, Jüngerschaft und missionale Finanzierung einmal ohne westliche Wiederholungen wahrzunehmen.

Im Folgenden möchte ich einzelne Redner herausgreifen, kurz vorstellen und ihre Hauptthesen darlegen. Die vollständigen Reden und Kurzinterviews werden im Laufe des Jahres auf dem YouTube-Kanal des Ministry Fundraising Networks (https://mfn.global) zur Verfügung gestellt.

Dr. Nimi Wariboko ist Walter G. Muelder Professor of Social Ethics an der Boston University School of Theology und leitet das African Studies Center. Als transdisziplinärer Denker mit Erfahrung in Theologie, Philosophie, Ökonomie und afrikanischer Gesellschaftsanalyse brachte er in die Konferenz eine besonders grundsätzliche und zugleich weit gespannte Perspektive ein.

In seinem Vortrag The Spirit and the Economy deutete Wariboko Wirtschaft im Kern als Vorsorge für die Zukunft. Damit verschob er die Frage nach Großzügigkeit aus der engen Perspektive spontaner Spenden hin zu einem weiteren Horizont von Sparen, Überschuss, Vermögensbildung und langfristiger Verantwortung. Biblisch zeigte er, dass Gottes Handeln nicht gegen wirtschaftliche Klugheit steht: An Deuteronomium 28 machte er deutlich, dass Wohlstand mit Ressourcen, Erträgen, Reinvestition und der Fähigkeit zu tun hat, die Früchte dieser Entwicklung auch zu genießen; an Markus 6 unterstrich er, dass Hilfe nicht zuerst mit Geld beginnt, sondern mit dem, was Menschen bereits in der Hand haben. Daraus leitete er ein Modell ab, in dem Partnerschaft, Kreativität, Ausbildung und Multiplikation wichtiger sind als bloße Verteilung. Besonders prägend war zudem seine These, dass Geld nicht neutral ist, sondern immer auch soziale Beziehung und Vertrauensform. Deshalb solle Geld in christlicher Perspektive nicht nur im Modus von Tausch und Gegenleistung verstanden werden, sondern als Gabe, die Gemeinschaft stiftet und Gottes Mission dient. Schließlich weitete er den Blick noch auf die Zukunft kommender Generationen: Christliche Verantwortung bedeute auch, Vermögen, Möglichkeiten, Wissen und Strukturen so aufzubauen, dass Kinder, Enkel und die zukünftige Kirche davon leben können. So wurde sein Vortrag zu einer grundlegenden theologischen Rahmung der ganzen Konferenz.

Revd. Canon Dr. Moses Bushendich ist anglikanischer Priester und International Director von CMS-Africa. Als Theologe, Ausbilder und Leiter mit langjähriger Erfahrung in Gemeindeentwicklung, Leitungsschulung und gesellschaftsbezogener Transformation brachte er eine stark strategische und zugleich praxisnahe Perspektive in die Konferenz ein.

In seinem Vortrag über die Herausforderungen und Chancen nachhaltiger Missionsfinanzierung innerhalb der CMS-Community machte Bushendich deutlich, dass nachhaltige Finanzierung für Kirche und Mission keine Nebensache, sondern eine geistliche und strategische Notwendigkeit ist. Besonders wichtig war dabei sein Hinweis auf die Spannung zwischen einer reinen „Manna“-Perspektive und einer verantwortlichen Stewardship-Perspektive: Christliche Werke leben zwar aus Gottes Versorgung, dürfen daraus aber nicht den Schluss ziehen, auf Planung, Rechenschaft und kluge Ressourcennutzung verzichten zu können. Genau hier verortete er zentrale Herausforderungen wie die Abhängigkeit von einzelnen Geldquellen, wachsende Anforderungen an Wirkung und Nachweisbarkeit, strengere Erwartungen an Rechenschaft sowie die Notwendigkeit, vom bloßen Bitten um Geld zu echter Partnerschaft überzugehen. Biblisch verankerte er diese Überlegungen unter anderem im Schöpfungsauftrag, in den Motiven von abad und shamar, in Nehemia, im Beispiel der Witwe und im Joseph-Prinzip. Seine eigene Antwort darauf beschrieb er als ein Modell strategischer Haushalterschaft, das auf lokaler Beteiligung, institutioneller Klugheit und partnerschaftlicher Zusammenarbeit beruht. Besonders prägnant war seine Schlussfolgerung, dass nachhaltige Mission dort wächst, wo Gemeinden und Werke nicht einfach Mittel erbitten, sondern Menschen zu Mitträgern einer gemeinsamen Vision von Transformation machen.

Dr. Adeoluwa F. Olanrewaju hat in Intercultural Studies promoviert und dient bei der Nigeria Evangelical Missions Association (NEMA) als Director of Administration. Er verbindet missionstheologische Reflexion mit praktischer Erfahrung in Nigeria, Benin und Niger und bringt damit eine fundierte Perspektive auf afrikanisch geleitete Missionsbewegungen und ihre Finanzierung ein.

In seinem Vortrag über Cross-Cultural Mission and Sustainable African-Led Resource Mobilisation zeigte Olanrewaju, dass Afrika heute nicht mehr nur als Missionsfeld verstanden werden kann, sondern selbst eine wachsende missionarische Kraft ist. Daraus folgt für ihn, dass auch die Verantwortung für Ressourcenmobilisierung stärker in afrikanischer Hand liegen muss. Nachhaltige Finanzierung beschrieb er als lokal getragen, kulturell passend, reproduzierbar und möglichst unabhängig von dauerhafter externer Hilfe. Anhand der nigerianischen Entwicklung – von studentischen Erweckungsbewegungen über die Entstehung indigener Missionswerke bis hin zu NEMA als Netzwerk – machte er deutlich, dass afrikanisch finanzierte Mission keine Theorie, sondern gelebte Praxis ist. Besonders wichtig war ihm der Gedanke, dass Finanzierung aus einer überzeugenden missionarischen Vision heraus wächst und nicht primär aus Appellen. Mobilisierung gehe dem Fundraising voraus. Darum plädierte er dafür, Ressourcenmobilisierung als Teil guter Haushalterschaft zu verstehen, Ausbildungsstätten stärker in diesem Bereich zu schulen und Accountability sowie Transparenz als unverzichtbare Grundlage langfristiger Glaubwürdigkeit zu behandeln. So wurde Nigeria in seinem Beitrag zu einem ermutigenden Beispiel dafür, dass afrikanisch geleitete und afrikanisch getragene Mission tragfähig möglich ist.

Mich überzeugte vor allem die (analog auf Europa übertragbare) Erkenntnis, dass in der theologischen Ausbildung von Pastoren lokaler Gemeinden, sowie Missionaren und auch Theologen allgemein, die Themen der geistlichen Haushalterschaft und Großzügigkeit verankert werden sollten.

Dr. Sampson G. Dorkunor ist Gründer und General Overseer von Living Bread Missions in Ghana und leitet zugleich Ausbildungs-, Outreach- und Gemeindegründungsarbeit in Ghana und Togo. Als erfahrener Leiter in der cross-cultural mission verbindet er praktische Missionsarbeit mit theologischer Reflexion und Forschung zu biblischer Stewardship in Kirche und Gesellschaft.

In seinem Vortrag über die Unterstützung indigener Mission in Ghana aus der Perspektive von Forschung zu Partnerschaften zwischen Gemeinden und Missionswerken zeigte Dorkunor, dass die lokale Kirche nicht nur theoretisch, sondern ganz real zu den wichtigsten Trägern indigener Mission gehört. Seine Untersuchung machte deutlich, dass nachhaltige Missionsfinanzierung dort wächst, wo Beziehung und Partnerschaft bewusst aufgebaut werden: Missionsleiter, die persönliche Nähe zu Gemeinden suchen, fördern Vertrauen, Missionsbewusstsein und langfristige Gebebereitschaft. Zugleich unterstrich er, dass die Finanzierungsbasis indigener Mission breiter ist, als oft angenommen wird. Neben lokalen Kirchen spielen Familien- und Freundesnetzwerke, die Diaspora sowie Business as Mission und andere einkommensschaffende Ansätze eine wichtige Rolle. Besonders stark hob er das Potenzial der afrikanischen Diaspora hervor, die missionarisch und finanziell noch längst nicht ausgeschöpft sei. Aus seinen Ergebnissen leitete er die Notwendigkeit ab, Mobilisierung, Transparenz, Rechenschaft und Fürsorge für Missionare stärker auch in Gemeinden zu verankern. Sein Beitrag machte damit deutlich, dass die Vision lokal getragener Mission in Afrika (nach seiner Doctorate Studie für Ghana) nicht nur ein Wunschbild ist, sondern in konkreten Strukturen und Beziehungen bereits sichtbar wird.

Revd. Dr. Boureima Diallo ist Gründer und Präsident der Jam Tan churches und von FULNET (Fulani Network) in Burkina Faso. Er leitet seit vielen Jahren Bewegungen der Jüngerschaft unter den Fulani und verbindet dabei Gemeindegründung, Bibelübersetzung, humanitäre Hilfe und die Begleitung verfolgter Christen. Damit brachte er eine besonders eindringliche Perspektive aus Kontexten von Verfolgung, Unsicherheit und missionarischer Pionierarbeit in die Konferenz ein.

In seinem Vortrag über Sustaining Ministry in Hard Places zeigte Diallo, dass christlicher Dienst unter unerreichten Volksgruppen und in Kontexten von Verfolgung nur dann dauerhaft bestehen kann, wenn Evangelisation, Jüngerschaft und Selbstversorgung bewusst miteinander verbunden werden. Anhand der Arbeit der Jam Tan church machte er deutlich, dass Tentmaking und glaubensgetragene Unternehmen nicht bloße Finanzierungsinstrumente sind, sondern Teil der Missionsstrategie selbst: Schneiderei, Schreinerei, Restaurants, Gesundheitsdienste und andere lokale businesses schaffen Zugang zu Menschen, stärken Glaubwürdigkeit und tragen Gemeinden wirtschaftlich mit. Zugleich verstand er Mission ganzheitlich, indem Gesundheitsarbeit, Bildungsangebote, Hausbibelkreise, Gemeindegründung und lokale Leiterschaft zusammengehören. Besonders eindrücklich war seine nüchterne Beschreibung der Realität von Terror, Vertreibung, Marginalisierung, geistlicher Anfechtung und Burnout. Gerade in solchen „hard places“ wird für ihn Großzügigkeit zu einem Zeichen geistlicher Reife, und Selbstunterstützung erscheint nicht als Last, sondern als göttliche Berufung. So machte sein Beitrag deutlich, dass nachhaltige Mission in bedrängten Kontexten nicht von äußeren Sicherheiten lebt, sondern von Glauben, Kreativität, lokaler Verantwortung und der Fähigkeit, auch unter Druck weiterzugeben.

Dr. Victor Agbonkpolor ist Arzt an den Health Services der University of Benin und zugleich Leiter von Tent Nigeria, das mit Tent International verbunden ist. Darüber hinaus engagiert er sich im Lausanne Tentmaking Network und arbeitet daran, christliche Fachkräfte darin zu stärken, ihren Beruf als Plattform für das Evangelium zu verstehen. Damit brachte er eine überzeugende Verbindung von professioneller Arbeit, theologischer Reflexion und missionarischer Praxis in die Konferenz ein.

In seinem Vortrag über Tentmaking and the Theology of Work machte Agbonkpolor deutlich, dass Arbeit nicht nur Mittel zum Lebensunterhalt, sondern Teil von Gottes guter Schöpfungsordnung und damit geistlich bedeutsam ist. Tentmaking verstand er daher nicht als pragmatische Notlösung, sondern als biblisch gegründetes Missionsmodell, das sich besonders im Leben des Paulus exemplarisch zeigt. Arbeit, Einkommen, Zeugnis und Jüngerschaft gehören in diesem Ansatz zusammen. Zugleich betonte er, dass der Arbeitsplatz selbst ein missionarischer Raum ist, in dem Integrität, Exzellenz und glaubwürdige Präsenz Türen für das Evangelium öffnen. Gerade in afrikanischen Kontexten, in denen finanzielle Abhängigkeit von außen die missionarische Entwicklung hemmen kann, sah er im Tentmaking einen Weg zu größerer Eigenständigkeit und Nachhaltigkeit. Besonders wichtig war ihm die Verbindung von Berufung und Großzügigkeit: Wer Arbeit als Ruf Gottes versteht, sieht Einkommen nicht nur als privaten Besitz, sondern als Ressource für Gemeindegründung, Ausbildung, medizinische Hilfe und andere Ausdrucksformen der Mission. So wurde deutlich, dass die Zukunft afrikanischer Mission nicht nur von Kanzeln, sondern ebenso von Büros, Kliniken, Klassenzimmern und Unternehmen her mitgestaltet wird.

Septi M. Bukula ist Gründer und Direktor des Rendzo Network Africa und in Südafrika im Bereich Business Tourism tätig. Er bringt langjährige Erfahrung aus Leitungsverantwortung, internationaler christlicher Netzwerkarbeit und der Förderung junger Führungskräfte mit. Gemeinsam mit seiner Frau Asanda gründete er den Africa Leadership Scholarship Fund und verbindet unternehmerisches Denken mit einem klaren Anliegen für missionale Großzügigkeit und nachhaltige Förderung.

In seinem Vortrag über Entrepreneurship as Generosity zeigte Bukula, dass Unternehmertum aus christlicher Perspektive nicht zuerst der privaten Gewinnmaximierung dient, sondern ein Raum gelebter Großzügigkeit sein kann. Er verstand Entrepreneurship als Möglichkeit, Ressourcen zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen und Gottes Mission durch Innovation, Zusammenarbeit und langfristige Strukturen mitzutragen. Besonders wichtig war ihm dabei ein ganzheitliches Verständnis von Großzügigkeit, das nicht nur finanzielle Gaben umfasst, sondern auch Fürsorge für Mitarbeitende, gesellschaftliche Verantwortung, ministry partnership und die Förderung von Gemeinschaft. Zugleich betonte er, dass Berufung vor Kapital kommt: Der Ausgangspunkt christlichen Unternehmertums ist nicht Geld, sondern der Ruf Gottes und die Frage, wie wirtschaftliches Handeln in seinem Dienst stehen kann. Von dort aus öffnete er den Blick auf Kooperation, kreative Modelle der Ressourcengewinnung und nachhaltige Instrumente wie Fonds oder Vermächtnisse. So machte sein Vortrag deutlich, dass Großzügigkeit nicht nur aus vorhandenem Besitz gespeist wird, sondern auch durch unternehmerisches Handeln neu entstehen und über Generationen hinweg wirksam werden kann.

Dr. Rosemary Mbogo ist Professorin für Christian Education an der Africa International University und verbindet akademische Arbeit in den Bereichen Leitung, Bildung und Forschung mit langjähriger Erfahrung in werteorientierter Entwicklungsarbeit. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie ByGrace Trust, eine Initiative zur Unterstützung von Waisen und vulnerablen Familien. Damit brachte sie in die Konferenz eine Stimme ein, die theologische Reflexion, Bildungsarbeit und konkrete soziale Praxis eng zusammenführt.

In ihrem Vortrag über African Generosity: Theology and Practice of Sustainable Mission machte Mbogo deutlich, dass afrikanische Großzügigkeit nicht nur eine kulturelle Beobachtung, sondern eine tragende theologische und praktische Grundlage nachhaltiger Mission ist. Sie betonte, dass in vielen afrikanischen Kontexten Geben stark relational, gemeinschaftlich und oft informell organisiert ist und deshalb nicht vorschnell an westlich-institutionellen Maßstäben gemessen werden darf. Gerade diese Formen gemeinschaftlicher Verantwortung seien eine reale missionarische Ressource. Zugleich wies sie darauf hin, dass die theologische Ausbildung in Afrika häufig hinter dieser gelebten Praxis zurückbleibt: Stewardship werde oft zu wenig systematisch und zu selten als genuin theologisches Thema behandelt. Darum plädierte sie für eine stärkere Verbindung von Glauben, Gemeinschaft und verantwortlicher Haushalterschaft, wie sie in ihrer programmatischen Formel „Faith + Community + Stewardship = Sustainable Mission“ zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus weitete sie den Blick auf Partnerschaften und machte deutlich, dass die Zukunft missionarischer Zusammenarbeit nicht in alten Geber-Empfänger-Mustern liegt, sondern in einer polyzentrischen und wechselseitigen Beteiligung, in der afrikanische Kirchen und Gemeinschaften als echte Mitträger und Mitgeber wahrgenommen werden.

Mrs. Pauline Kamau ist Executive Director des African Council for Accreditation and Accountability (AfCAA). Als Certified Public Accountant mit langjähriger Leitungserfahrung in Kirche, Wirtschaft und Nonprofit-Bereich bringt sie besondere Expertise in Governance, Stewardship und institutioneller Entwicklung mit. Ihre Perspektive war deshalb für die Konferenz besonders wichtig, weil sie die Frage der Großzügigkeit konsequent mit der Frage nach Glaubwürdigkeit und verantwortlicher Leitung verknüpfte.

In ihrem Vortrag über die Herausforderungen von Accountability in afrikanischen Ministry-Kontexten machte Pauline Kamau deutlich, dass fehlende Rechenschaft und schwache Strukturen das Zeugnis der Kirche tief beschädigen können. Ausgehend von konkreten Missständen und Fehlentwicklungen zeigte sie, dass mangelnde Anwendung biblischer Prinzipien im Organisationsalltag, unethische Formen der Ressourcenmobilisierung, schlechte Finanzpraxis, Gründerabhängigkeit und fehlende Nachhaltigkeit nicht nur interne Probleme sind, sondern das öffentliche Vertrauen in christliche Werke untergraben. Dem setzte sie eine klar biblisch begründete Sicht von Ordnung, Integrität und treuer Verwaltung entgegen: Accountability sei kein Gegensatz zu Glauben oder Großzügigkeit, sondern gerade ein Ausdruck geistlicher Reife und verantwortlicher Nachfolge. Mit AfCAA stellte sie zugleich ein praktisches Modell vor, das durch Advocacy, Accreditation und Advisory christliche Organisationen stärken will. So machte ihr Beitrag deutlich, dass nachhaltige Großzügigkeit und wirksame Mission nur dort auf Dauer wachsen, wo Transparenz, überprüfbare Standards und institutionelle Glaubwürdigkeit ernst genommen werden.

Aus Platzgründen nicht dargestellt wurden die – sehr wertvollen – Beiträge von Cherise und Daniel Vermeulen von Generous Generations, Lilian Mudambi und Rob Bullock von Bible League International oder Calisto Odede sowie Kwame Rubadiri von CITAM.

Die Konferenz hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, afrikanische Stimmen in der theologischen Reflexion über Großzügigkeit, Fundraising und Mission nicht nur „mitzuhören“, sondern ihnen künftig deutlich mehr Raum zu geben. Für mich war es sehr bereichernd, einen Einblick in diese Perspektiven zu gewinnen. Vieles wirkte nicht nur kontextuell relevant für Afrika, sondern zugleich wie eine notwendige Korrektur für westliche und insbesondere europäische Denkgewohnheiten. Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass wir mittelfristig stärker auf die afrikanische Stimme hören müssen.

Zugleich wurde deutlich, dass wir in Europa unsere eigenen Hausaufgaben zu machen haben. Die Frage nach Großzügigkeit darf nicht auf Finanzierungstechniken oder Spendenkampagnen verkürzt werden. Mehrfach wurde sichtbar, dass Großzügigkeit im Leben der Gemeinde tief mit Jüngerschaft verbunden ist: mit Vertrauen, Verantwortung, Arbeit, gegenseitiger Fürsorge und geistlicher Reife. Wo diese Haltung wächst, entsteht nicht nur eine tragfähigere materielle Grundlage für Gemeinde und Mission, sondern auch ein geistliches Klima, in dem Gemeindewachstum und im besten Fall sogar Erweckung möglich werden. Darin liegt vielleicht eine der wichtigsten Einsichten der Konferenz: Großzügigkeit ist nicht nur Folge lebendigen Glaubens, sondern kann selbst zu einem fruchtbaren Boden werden, auf dem Glauben, Gemeinde und Mission neu aufblühen.

Felix Wiegner
Unit Lead Fundraising

Disclaimer: Für diesen Artikel wurde KI zur Zusammenfassung von längeren Dokumenten genutzt.