Erweckung wächst in Beziehungen

Erweckung wächst in Beziehungen

Jung und alt gemeinsam unterwegs – das klingt gut. Doch wie gelingt echte Zusammenarbeit zwischen Generationen in der Mission? Eine Podiumsdiskussion beim vierten Lausanner Weltkongress zeigte: Es geht um mehr als Strukturen. Es geht um Beziehungen, um Zuhören – und um eine neue Kultur von Freundschaft. Eine Zusammenfassung.

Gemeinsam unterwegs – oder aneinander vorbei?

62 Prozent der jungen Menschen verlassen die Kirche, bevor sie 18 Jahre alt sind. Diese Zahl steht am Anfang der Diskussion – und sie bleibt hängen. Sie ist mehr als Statistik. Sie ist eine Anfrage an uns als weltweite Kirche.

Gleichzeitig sitzt auf dem Podium eine neue Generation von Leiterinnen und Leitern. Menschen, die geblieben sind. Die glauben. Die gestalten. Und die eine tiefe Sehnsucht haben: nicht nur nach Einfluss, sondern nach echten Beziehungen. Die Frage ist also nicht nur: Wie erreichen wir die nächste Generation? Sondern: Wie leben wir als Generationen gemeinsam Mission?

Zusammenarbeit reicht nicht

In der globalen Mission ist Kollaboration längst ein Schlüsselbegriff. Zusammenarbeit, die mehrere Generationen vereint, sollte nicht dabei stehen bleiben, bloß gemeinsam etwas zu erreichen. Sie sollte etwas hervorbringen, das keine Generation allein schaffen könnte.

Das Bild dahinter ist biblisch vertraut: ein Körper mit vielen Teilen. Unterschiedlich – und gerade deshalb wirksam. Die Älteren bringen Erfahrung, Weisheit und geistliche Tiefe. Die Jüngeren bringen Energie, Leidenschaft und neue Perspektiven. Doch diese Ergänzung passiert nicht automatisch.

Zuhören als Schlüssel

Eine der klarsten Erkenntnisse der Podiumsdiksussion: Generationenkonflikte entstehen oft nicht aus bösem Willen – sondern aus fehlendem Zuhören. Wenn Ältere nicht zuhören, verlieren sie die Jüngeren. Wenn Jüngere nicht zuhören, verlieren sie die Weisheit der Älteren. Beides hat Konsequenzen – nicht nur für heute, sondern auch für kommende Generationen.

Deshalb wird Respekt entscheidend. Nicht als höfliche Geste, sondern als geistliche Praxis. Ein bewusstes Einander-Ehren. Ein echtes Interesse an der Perspektive des anderen.

Freundschaft als Fundament

Doch das vielleicht Überraschendste kommt von der jüngeren Generation selbst. Sie sagt: Zusammenarbeit allein trägt nicht. Was wirklich trägt, ist Freundschaft.

Ein Teilnehmer beschreibt seine Erfahrung in einem internationalen Team mit fünf Generationen. Was ihn geprägt hat, war nicht zuerst die gemeinsame Aufgabe, sondern die Haltung: Demut, Wertschätzung – und echte Beziehung. Freundschaft wird dabei nicht als „nice to have“ (deutsch: etwas, das schön ist, zu haben) geschrieben. Sondern als Grundlage für alles andere. Oder zugespitzt formuliert: Nicht Freundschaft ist Teil der Zusammenarbeit –sondern Zusammenarbeit ist Frucht von Freundschaft.

Eine neue Logik von Beziehung

Dabei verändert sich auch das Verständnis von Zusammenarbeit selbst. Viele sind geprägt von „Winwin“- Denken: Ich investiere – und bekomme etwas zurück. Doch die junge Generation beschreibt eine andere Bewegung: „Lose-lose-win“. Ich gebe, was ich habe. Du gibst, was du hast. Und Jesus bekommt die Ehre.

Dieser Ansatz denkt Beziehungen nicht funktional, sondern hingebungsvoll.

Erweckung wächst in Beziehungen

Interessant ist auch der Blick auf die Entwicklung von geistlicher Erweckung und gelebtem Miteinander. Es zeigt sich, dass das eine das andere bedingt. Das ist herausfordernd: Mission ist damit nicht zuerst eine Frage von Programmen, Strategien oder Strukturen, sondern von Vertrauen und gemeinsamem Leben. Von Freundschaft, die Höhen und Tiefen aushält – wie bei Jesus und seinen Jüngern.

Brücken bauen – ganz praktisch

Was heißt das konkret? Ein Leiter aus Zentralasien beschreibt seinen Ansatz so: Er hat aufgehört, zu fragen, was andere Generationen beitragen könnten – und begonnen zu fragen, was er selbst tun kann, um Brücken zu bauen.

Ganz praktisch bedeutet das:

  • Räume schaffen, in denen Generationen einander begegnen
  • Formate entwickeln, die für alle anschlussfähig sind
  • Ältere befähigen, in die Jüngeren zu investieren
  • Jüngere ermutigen, Verantwortung zu übernehmen
  • Und vor allem: immer wieder neu lernen.

Eine Einladung

Vielleicht liegt hier eine der zentralen Herausforderungen für unsere Zeit: nicht die nächste Generation „zu erreichen“, sondern mit ihr gemeinsam unterwegs zu ein. Nicht über sie zu sprechen, sondern mit ihr zu leben. Nicht nebeneinander zu arbeiten, sondern miteinander zu glauben. Denn Mission ist immer mehr als das, was wir tun. Sie ist Ausdruck dessen, wie wir miteinander leben. Oder anders gesagt: Die Welt glaubt nicht nur unserer Botschaft – sie beobachtet unsere Beziehungen.

Simon Diercks ist Leiter Communication & Media

Teilnehmende der Podiumsdiskussion beim vierten Lausanner Weltkongress:

  • Ole-Magnus Olafsrud (Norwegen, Generations Executive Team der Lausanner Bewegung)
  • Nana Yaw Offei Awuku (Ghana, Global Director for Generations der Lausanner Bewegung)
  • Sam Couper (Europa, Field coordinator bei Revive Europe)
  • Dr. Delphine Fanfon (Kamerun, Chief executive of Me4Real International und Regional Director bei LeadersSource in Afrika and Asien)
  • Jokabed Reina Solano Miselis (Panama, Catalyst for Freedom and Justice der Lausanner Bewegung)

Die ganze Podiumsdiskussion auf YouTube ansehen (englisch)

Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.