Die Rente ist der Anfang der „nachberuflichen Freiheit“. Anne und Arturo Hoffmann Leygue nutzen sie, um im spanischen Andalusien Missionare zu sein.
Es ist drei Uhr nachmittags und ich, Anne, mache mich auf den Weg zum Café. Dort treffe ich mich mit Pedro – wie jeden Montag. Für einen Rentneralltag kein ungewöhnlicher Termin, aber dieses Treffen findet in Roquetas de Mar, Südspanien, statt. Hier leben wir seit knapp zwei Jahren als Missionare, obwohl wir unseren Ruhestand in gewohnten Bahnen in Deutschland genießen könnten. Stattdessen sind wir aufgebrochen, um als „Silverliner“ einen Teil unseres dritten Lebensabschnittes in Andalusien zu verbringen.
Was führt deutsche Rentner nach Spanien?
Schon seit unserer Studentenzeit haben wir uns aktiv für den Bau des Reiches Gottes eingesetzt und durch gelebten Glauben auf Jesus hingewiesen. Nachdem unsere Kinder eigene Familien gegründet hatten und das Ende der Berufstätigkeit in Sicht kam, stellten wir uns die Frage, ob es für uns noch einen anderen Platz in Gottes Mission gibt. Unser Wunsch war es, dass Gott uns gebrauchen möge – gerne auch im Ausland. Wir möchten persönliche Beziehungen knüpfen und
unser Leben im Alltag mit Menschen teilen, sodass sie durch uns Jesus kennenlernen. Arturo ist in Bolivien geboren und Anne liebt die spanische Kultur und Sprache. So lag es für uns nahe, nach Spanien zu gehen, um dort unsere Gaben und Erfahrungen für den Bau des Reiches Gottes einzusetzen.
Zwischen Rentnerclub und Sprachschule
Zurück zum Treffen mit Pedro, einem pensionierten Spanier unseres Alters. Jeden Montag sitzen wir in unserem Lieblingscafé und reden als Sprachtandem deutsch und spanisch im Wechsel. Pedro hat im Ruhestand beschlossen, Deutsch zu lernen und genießt es, mit mir in die deutsche Sprache einzutauchen. Ich freue mich über die Möglichkeit, mit einem Einheimischen über interessante Themen zu sprechen und die spanische Denkweise und Kultur besser verstehen zu lernen. Nach einem Jahr ist inzwischen eine vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehung gewachsen und gemeinsam mit unseren Ehepartnern verbringen wir unsere Freizeit.
Wir leben unseren Alltag in Andalusien mit offenen Augen und Ohren für Gelegenheiten, um Menschen mit Jesus in Kontakt zu bringen; sei es im örtlichen Seniorenclub, im Fitnessstudio oder in der offiziellen Sprachschule von Roquetas. Dort durften wir schon gemeinsam über deutsche Weihnachts- und Osterbräuche berichten und auf ganz natürliche Weise über Jesus sprechen.
Ewigkeitsgedanken
Es braucht Ausdauer und Geduld, um in Spanien mit Einheimischen persönliche Beziehungen aufzubauen, und erst dann ist es möglich, über geistliche Themen ins Gespräch zu kommen. Vor Kurzem haben wir uns darüber unterhalten, welchen Stellenwert das Geld und das Sparen in der spanischen Gesellschaft hat. Das war ein passender Einstieg, um über die Dinge zu sprechen, die unserem Leben Bedeutung und Sinn geben. Wozu bin ich da? Was bleibt am Ende meines Lebens? Ich konnte erzählen, dass die Beziehung zu Jesus meinem Leben Sinn und Ziel gibt.
Der Kaffee ist getrunken, die Rechnung bezahlt und ich verabschiede mich von Pedro. Er hat meinen Worten zugehört, aber nicht weiter nachgefragt. Ich bete, dass Gott meine Worte nutzt, um sein Herz für das Evangelium zu öffnen. Nächste Woche sehen wir uns wieder. Ich freue mich auf ihn!
Dr. Anne und Arturo Hoffmann Leygue sind Missionare in Roquetas de Mar, Spanien
Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.
Dr. Anne und Arturo Hoffmann Leygue im Interview: hier
