Jan Fiebrantz tritt 28 Jahre nach seiner Ausreise als Missionarskind in die Fußspuren seiner Eltern. Er macht sich mit seiner Frau Sarah für den Missionsdienst auf die Philippinen auf. Das macht seinen Vater Jochen stolz, konfrontiert aber auch mit der anderen Seite der Mission. Gedanken zweier Generationen.
Jochen
Wir reisten 1992 noch kinderlos zum ersten Mal für einen sechsmonatigen Einsatz nach Tansania aus. Damals hatten wir großen Respekt vor jungen Missionsfamilien, die sich in dieses herausfordernde Umfeld hinauswagten. Gleichzeitig taten uns ihre Kinder leid, die zum Teil schon recht früh weit weg von den Eltern ins Internat mussten. Wir sagten damals zu Gott, dass wir unsere persönliche Berufung in die Mission nicht auf Kosten unserer Kinder ausleben möchten. Unsere Frage lautete: Gilt dein Ruf für die ganze Familie?
Später, vor unserer Ausreise nach Vietnam, fragten dann auch unsere Verwandten und Freunde, ob wir so was Verrücktes mit inzwischen zwei Kindern und einem auf dem Weg wirklich wagen wollten?!
Gottes Gnade im Dienst
Kaum im Land angekommen, kam eine weitere Frage hinzu: Sollte es bei uns, als „richtigen“ Missionaren, jetzt nicht auch vorbildlich mit der frommen Erziehung gelingen? Schnell wurde uns klar: Auch Mission ist meistens nur Alltag. Und gerade unsere Kinder spiegelten es uns jeden Tag: Als Missionare sind wir kein Stück heiliger, sondern genau wie andere Eltern komplett auf Gottes Gnade angewiesen. Wir sind so froh, dass Er dann auch wirklich treu dabei war! Mit den Kindern staunten wir oft über Zeichen seiner Freundlichkeit: einen rechtzeitig abgestellten Wolkenbruch. Großartige Schulangebote und die Möglichkeit, dass die Kinder bei uns wohnen konnten. Ein spezifisch erbetetes Päckchen mit Window Color und Zookeksen! Ja, Gott hat wirklich die ganze Familie im Blick!
Dass unsere Kinder – trotz unserer Fehler – heute weiter mit Jesus unterwegs sind, ist pure Gnade! Genauso wie die (auch für uns überraschende) Entscheidung von Jan und Sarah, nun selbst in die Mission zu gehen. Auf einmal regt sich auch in uns Eltern diese skeptische Stimme: „Ist das nicht doch sehr weit weg…?!“ Hier beginnt für uns ein unerwartetes, neues Glaubensabenteuer: das Loslassen der Kinder an Jesus. Aber, haben wir es ihnen nicht selbst immer wieder gesagt: „Wirklich erfülltes Leben findet ihr nur auf dem Weg mit Jesus!“

Jan
Rückblickend kann ich sagen, dass ich meine Kindheit als Missionarskind sehr zu schätzen gelernt habe. Das Leben in Vietnam und besonders der Dienst meiner Eltern haben meine Weltanschauung erweitert. Es sensibilisierte mich interkulturell und gewährte mir tiefe Einblicke in die Realitäten von Armut, Ungleichheit und Leid. Ich bin dankbar für das Privileg, in diesem Umfeld aufgewachsen zu sein. Ich habe viele Erfolge, Enttäuschungen und Wunder in der Arbeit meiner Eltern aus der Nähe miterlebt. Vielmehr noch bin ich so dankbar, dass wir drei Kinder auf gute Weise angeleitet wurden, unsere eigene, lebendige Beziehung mit Jesus zu entdecken und darin zu wachsen.
Im Dazwischen zuhause
Ja, es war nicht immer einfach, und der Zwiespalt zwischen den Welten – Deutschland und Vietnam – brachte so manche Schwierigkeiten mit sich. Bis heute fühle ich mich ‚nicht ganz‘ deutsch, und fühle mich mit meiner inneren ‚Andersheit‘ unter internationalen Menschen meist viel wohler. Ich denke, das ist auch einer der Gründe, warum ich mich danach sehne, wieder im Ausland zu leben.
Mit Rückenwind auf die Philippinen
Was ich als Kind erleben durfte, hat meinen Werdegang als Erwachsener stark geprägt. Ich empfinde ein starkes Bedürfnis, mit meinem Leben etwas zu machen, das einen echten, bedeutungsvollen Einfluss auf das Leben Anderer hat. Der Gedanke, selbst in die Mission zu gehen, lag mir allerdings lange eher fern. Dafür musste der Herr mir eine starke, gleich gesinnte Frau als Partnerin an die Seite stellen. Jetzt bin ich gespannt, wie Gott uns führt und was er mit uns auf den Philippinen vorhat. Zugegeben bin ich auch etwas stolz, dass ich als die „nächste Generation“ in den Fußspuren meiner Eltern weitergehen darf.
Sarah und Jan Fiebrantz sind Missionare in Vorbereitung auf die Philippinen
Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.
