Un regalo de dios – Ein Geschenk Gottes

Un regalo de dios – Ein Geschenk Gottes

Armut macht manche Menschen gewalttätig. Doch sie sind genauso liebenswert und wertvoll wie andere auch. Für die, die keine Perspektive mehr sehen, haben Thomas und Linah Mencke eine Vision.

Thomas Mencke wuchs im „Dorf der Behinderten“ auf – so war es damals bekannt. Im niedersächsischen Stübeckshorn lebten viele Menschen mit geistiger Behinderung. Thomas Vater arbeitete in einer Einrichtung für sie und konnte dort günstig ein Haus für seine Familie mieten. „Die Folgen des Lebens in dem ‚Dorf der Behinderten‘ lassen sich schnell vermuten“, schreibt Thomas mit seinem trockenen Humor. „Ja, wer hier in den Linienbus steigt, um in die Stadt zur Schule zu fahren – der galt halt als behindert.“ Der Ruf des Dorfes machte Thomas zum Opfer für Mobbing, förderte jedoch auch seine Sozialkompetenz.

Linah entschied sich mit 14 Jahren für ein Leben unter der Führung von Jesus Christus. Er half ihr durch die für sie nervige Schulzeit, die ihr große Probleme bereitete. Ihr Herz schlug für die Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Gemeinde. Sie wusste bereits als Teenie, dass sie eines Tages in Südamerika mit Kindern arbeiten möchte. Wenn sie heute das Armenviertel APAL, ein stillgelegtes Fabrikgelände in Paraguay, betritt, rennen die Kinder freudestrahlend auf sie zu. Endlich Alphabetisierungs-Unterricht mit Linah, Umarmungen und ein offenes Ohr.

Neue Wege

Ein lang ersehnter Umzug in die Stadt Soltau führte den damals 17-jährigen Thomas zu Drogen, Alkohol, Sex und Partys. Er hatte keinen festen Glauben, jedoch war er getauft und Gott immer präsent. „Es war mir klar, dass die Sünden, die ich tat, nicht besonders sinnvoll waren. Ich hatte aber auch keinen anderen Sinn gefunden, mit dem ich meine Zeit wertvoll verbringen wollte“, erklärt er. Nach zwei Jahren warf ihn sein Vater zu Hause raus. Spontan zog er nach Hamburg, um dort seinen Zivildienst in einer Freien evangelischen Gemeinde zu leisten. Thomas Glaube formte sich neu. Außerdem lernte er seine „wunderbare und schöne Frau Linah kennen“, die dort ihr Aupair Jahr bei der Pastoren-Familie machte. „Am 12. August 2006, Linah mit 18 und ich mit 20 Jahren, gaben wir uns, vor Gott, unseren Familien und Freunden, das Eheversprechen.“

Linah wurde bald Mutter ihrer ersten Tochter. Thomas arbeitete in verschiedenen Jobs und war zum Schluss in der Kundenbetreuung eines großen Telekommunikationsunternehmes tätig. 2013 fügten sich Situationen zu einem Bild zusammen: Gott rief sie nach Paraguay. Thomas kündigte, sie verkauften alles und machten sich mit Rückendeckung ihrer Gemeinde auf den Weg – ohne ausreichende Spendengelder. Auch waren alle Versuche gescheitert, Spanischkenntnisse aufzubauen. Doch Gott versorgte.

Un Regalo de Dios

In Paraguay angekommen, pflanzte Gott in Thomas Herzen den Wunsch, die Armen zu besuchen. Er fand heraus, dass sie in der Nähe von Flüssen in illegalen Hütten wohnen. Ein Christ warnte ihn: „Wenn die dich sehen, die stechen dich einfach ab, schmeißen dich in einen Graben und gucken nach, ob da noch Geld in deiner Tasche ist.“ Thomas ging unter Gebet von Linah dennoch. Dort verteilte er Äpfel mit dem Verweis „Un regalo de dios“ („Ein Geschenk von Gott“). „Ich lernte in den nächsten Wochen wirklich wertvolle und liebenswerte Menschen kennen“, schreibt er später in seiner Bewerbung an die Allianz-Mission.

Bald gingen Linah und Thomas gemeinsam mit ihren drei Kindern los. „Die Menschen sind so freundlich und laden dich direkt in ihr Haus ein“, erzählt Linah. Sie zeigten Familie Mencke, worauf sie stolz sind: Ein eigenes Schwein. Die Werkstatt und das selbst Gebaute. „Nach wenigen Monaten waren wir ein Team von sechs bis acht Leuten. Wir verteilten Essen, gaben Kleidung und predigten das Wort Gottes.“

Mission: Stadt verändern

Nach sechs Jahren zurück in Deutschland reiste Familie Mencke 2022 mit der Allianz-Mission als Langzeit-Missionare zurück nach Paraguay aus. Thomas dient heute als Projekt- und Teamleiter. Linah hat inzwischen auch Anfragen von Erwachsenen, die Lesen lernen möchten und durch das Schulsystem gerutscht sind. Nebenbei studiert sie Soziale Arbeit vor Ort. „Wir träumen von etwas Großem“, fasst Linah ihre gemeinsame Arbeit zusammen. „Wir träumen davon, dass wir dieses Land und diese Stadt wirklich verändern können.“

Linah und Thomas Mencke

  • So alt sind wir:
    • Linah: 37
    • Thomas: 40
  • Lebenstraum: Menschen in Armut unterstützen und ihnen echte Perspektiven zu ermöglichen
  • Das genießen wir: fast täglich Sonne
  • Jesus für uns: Freund und Retter
  • Familie / Ehe ist für uns: Zusammenhalt
  • An einem heißen Tag: Tereré trinken
  • Das lernen wir von den Menschen im Armenviertel: Gastfreundschaft
  • Jüngerschaft bedeutet: Menschen im Glauben und in Herausforderungen begleiten
  • Paraguay ist: warm und herzlich
  • Kulturunterschiede sind: etwas, das einen immer wieder einholt

Evelyn Clement ist Redaktionsleiterin

Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.