Ein eigenes Zuhause

Die Versorgung der Armen in Tansania war und ist Christine Fritz ein Herzensanliegen. In den letzten Wochen ihrer Dienstzeit vor dem Ruhestand konnten hier noch wertvolle Schritte nach vorne gegangen werden. Es ist Sonntag Nachmittag. Margret, 22 Jahre alt, sitzt im Hof der Missionsstation auf einem Tuch, neben ihr ihr vierjähriger Sohn. Ein Plastikeimer, zwei …

Die Versorgung der Armen in Tansania war und ist Christine Fritz ein Herzensanliegen. In den letzten Wochen ihrer Dienstzeit vor dem Ruhestand konnten hier noch wertvolle Schritte nach vorne gegangen werden.

Es ist Sonntag Nachmittag. Margret, 22 Jahre alt, sitzt im Hof der Missionsstation auf einem Tuch, neben ihr ihr vierjähriger Sohn. Ein Plastikeimer, zwei Kochtöpfe und ein paar Tücher, das ist ihr ganzer Besitz. Ihr Mann ist gestorben, und auch ihre Familie hat sie verstoßen. Nun bittet sie um ein Zimmer im Armenhaus der Mission.

Zuerst hatten wir ihre Anfrage abgelehnt. Doch an diesem Tag wussten wir: Wir müssen sie aufnehmen. Sie bekam ein kleines Zimmer, ein Bett, eine Feuerstelle und ein Plumpsklo in der Nähe. Zur Versorgung gehörte, dass sie am Dienstag Mais für drei Tage bekam, am Freitag ein kleines Stückchen Seife sowie 60 Cent. Zu Weihnachten veranstalten wir eine Feier mit gutem Essen und sie erhält gemeinsam mit anderen Armen Kleidung. Immer wieder denke ich darüber nach, mit wie wenig die Menschen hier auskommen müssen und wie dankbar sie jede Hilfe entgegennehmen.

Mit den Jahren verfiel das Armenhaus. Bei Regen tropfte das Dach, und die Bewohner mussten sich in einer Ecke zusammendrängen. Als Margrets erwachsener Sohn um ein Grundstück bat, wurde seine Bitte abgelehnt. Neue Ideen zur Unterstützung der Armen verliefen im Sand.

Kurz vor meiner Abreise fragte mich ein Unterstützer aus meinem Freundeskreis in Deutschland, ob ich noch einen Herzenswunsch habe. Ich erzählte ihm von der Situation. Auch stellte ich ihm die Idee vor, einfache kleine Häuser auf eigenen Grundstücken für die bisherigen Bewohner des Armenhauses zu bauen. Er sagte spontan eine bestimmte Geldsumme dafür zu! Auf einmal ging alles schnell: Gemeinsam mit den Pastoren beschlossen wir, den Plan umzusetzen, und der Administrator unseres Krankenhauses übernahm die Organisation des Baus.

Am Morgen des 29. August 2025 trafen wir uns auf dem Grundstück, sangen, beteten und dankten Gott. Es war mein letzter Tag in Shunga vor meiner Ausreise nach Deutschland. Am selben Abend flog ich ab. Nur wenige Wochen später, am 26. September, zogen die Armen in ihre neuen Häuser ein. Für mich war das ein Moment tiefer Freude – zu sehen, dass die Menschen, für die wir so lange da waren, nun ein eigenes Zuhause gefunden haben.

Christine Fritz war Missionarin in Shunga, Tansania

Der Artikel ist in unserem Magazin move (Februar – April 2026) erschienen.