Ein Leben Mission

Dorothea und Jörg Eymann erinnern sich noch gut an ihre Anfangszeit in Japan im Jahr 1997. Heute gehören sie zu den erfahrenen Missionaren im Land. Wie bunt und vielfältig sind wir als Allianz-Mission (AM)! Ein Mosaik aus vielen Generationen. Alle sind vertreten: Jung und Alt sowie jede Altersstufe dazwischen. Auch wir haben in unseren 29 …

Dorothea und Jörg Eymann erinnern sich noch gut an ihre Anfangszeit in Japan im Jahr 1997. Heute gehören sie zu den erfahrenen Missionaren im Land.

Wie bunt und vielfältig sind wir als Allianz-Mission (AM)! Ein Mosaik aus vielen Generationen. Alle sind vertreten: Jung und Alt sowie jede Altersstufe dazwischen. Auch wir haben in unseren 29 Jahren Dienstzeit schon zu verschiedenen Generationen gehört.

Unser Interesse an Mission begann früh. Jesus entfachte in mir, Jörg, während meiner Jugendzeit durch die Begegnung mit einigen Missionaren ein starkes Feuer. Ich fing damals an, die AM durch mein Gebet und meine Spenden zu unterstützen.

Kurz vor dem volljährig werden, lernte ich eine nette junge Dame kennen. Ich fragte sie bei unserm ersten Date: „Falls wir einmal heiraten sollten, könntest du dir vorstellen, mit mir in die Mission zu gehen?“ Glücklicherweise hat sie, leicht überrumpelt und noch kaum über ein mögliches Missionarsleben nachdenkend, wenigstens mit „Vielleicht“ geantwortet. Und so heirateten Doro und ich schließlich früh, mit 21 Jahren. Nach Theologiestudium und missionstheologischer Ausbildung machten wir uns mit 30 Jahren als Missionare auf nach Japan.

Ausgebremst

Gerade frisch angekommen, sitzen wir in einem Gottesdienst und verstehen praktisch kein Wort. Aus Langeweile zählen wir, wie oft das japanische Wort für „Jesus“ (hört sich an wie „Yes“ im Englischen) in der Predigt vorkommt. Wir haben uns so viele Jahre vorbereitet, studiert, Energie eingesetzt, und nun sitzen wir hier und fangen gefühlt bei null an. Wir sind auf dem Sprachlevel eines Kleinkindes und fragen uns, was wir hier in Japan überhaupt sollen.

Jahre später besuchen wir wieder die gleiche Gemeinde. Wir unterhalten uns mit einer alten Bekannten über die alten Zeiten. Was sie während des Gesprächs sagte, überraschte und berührte uns sehr: „Eure Japanisch-Kenntnisse waren am Anfang ja wirklich begrenzt. Dabei ist für uns damals gar nicht so wichtig gewesen, wie gut ihr Japanisch könnt. Uns war wichtig, zu spüren, dass ihr uns liebt. Das war für uns das Entscheidende.” Etwas, das wir nie verlieren möchten: Gottes Liebe weitergeben.

Aufgeblüht

Das Privileg eines jungen Missionars ist es, einen unbekümmerten Blick zu haben und Neues auszuprobieren. Konkret zeigte sich das bei uns so, dass wir ein missionarisches Jugendzentrum (HOPE) starteten. Wir gaben dort auf kreative Weise besonders der jungen japanischen Generation die gute Botschaft von Jesus weiter. Diese neue Arbeit begeisterte uns und andere. Japanerinnen und Japaner und Shortys im GoGlobal Auslandsjahr aus Deutschland unterstützten uns. Es bereitete uns Freude, sie in ihrer geistlichen Entwicklung zu prägen. Zu manchen haben wir bis heute Kontakt.

Diese Arbeit passte zu uns. Wir waren gerne bereit, uns voll einzusetzen. Gott schenkte es, dass einige zum Glauben an Jesus kamen. Das haben wir in Japan
erlebt: Gott gibt Wachstum.

Ausgepowert

Aber die wachsenden Aufgaben und der entsprechende Einsatz hinterließen Spuren. Bei mir, Jörg, kam es mit Anfang 40 plötzlich zu einem kompletten Stopp.
Ich kam morgens kaum noch aus dem Bett und ging wortwörtlich am Stock. Ein Burn-out legte mich flach. Selbst die einfachsten Dinge gingen nicht mehr. Lange war ich krankgeschrieben. Auch meine Beziehung zu Jesus war mehr als angeschlagen. „Jesus, nun habe ich mich so sehr für dich eingesetzt. Und jetzt bin ich völlig am Ende. Das ist nicht fair.“

Ich musste auf die harte Tour lernen, was wirklich zählt: Nicht mein Einsatz, auch wenn er noch so fromm motiviert ist. Nein, was wirklich zählt und trägt, ist, dass ich Gottes geliebtes Kind bin, das in einer engen Beziehung zum himmlischen Vater lebt. Damals entdeckte ich, dass Jesus zwar mein Herr und Heiland ist, aber eben auch mein Freund. Er trägt mit mir die Lasten des Alltags und stellt mir fürsorglich seinen Geist zur Seite. Hier sind wir weiter Lernende: Es geht
um Beziehung, nicht um Leistung.

(Neu) Ausgerichtet

Ist es nach so vielen Jahren für uns immer noch dran, als Missionare in Japan zu arbeiten? Diese Frage stellten wir uns immer wieder, gerade auch während Jörgs Burn-out. Wir setzten unser Vertrauen darauf, dass Gott uns einen guten Weg führt, ganz gleich, ob in gewohnten Bahnen oder auf neuen Wegen.

Aus dem Jugendzentrum HOPE entstand 2014 eine Gemeindearbeit, die Ai HOPE Church. Die Leitung haben wir uns damals mit einem jungen japanischen Pastorenehepaar geteilt. Heute liegt die Hauptverantwortung ganz in japanischer Hand.

Vor zwei Jahren riefen wir das CSC, das Christian Seicho (Wachstums) Center, ins Leben. Bei diesem übergemeindlichen Jüngerschaftsprogramm begeben wir uns zusammen mit den Teilnehmenden auf eine einjährige geistliche Reise. So können wir (jungen) Christen auf ihrem Weg mit Jesus mit Rat und Tat zur Seite stehen, sie in ihrem alltäglichen Leben als Christen stärken und mithelfen, eine neue Leitergeneration für die japanischen Gemeinden aufzubauen.

Während der Events und der Kleingruppenzeiten suchen wir immer wieder die Gemeinschaft mit Gott. Sie ist zu einem Kernstück des CSCs geworden. In die Stille vor Gott wollen wir weiter eintauchen: Seine Stimme wollen wir hören und seinem Wort folgen.

Angekommen

Das ist ein schönes Gefühl: Wir sind da, wo wir hingehören. Da, wo Gott uns hingestellt hat. Wir sind ganz in Japan angekommen. Wir sind zu Förderern und Unterstützern von Menschen, zu Vätern und Müttern einer neuen Generation von japanischen Christen geworden. Das, was wir selbst gelernt und durchlebt haben, geben wir an andere weiter. Unser Ziel ist es dabei, dass sie Jesus ganz tief kennenlernen und IHM noch konsequenter nachfolgen. Sie sollen selbst zu Menschen werden, die andere in die Gemeinschaft mit ihm führen.

Jörg und Doro Eymann sind Missionare in Inazawa, Japan

Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.