Ute Trautwein arbeitet seit 18 Jahren in Matyazo im Westen Tansanias. Als Frauenärztin und Geburtshelferin begleitet sie dort nicht nur Frauen medizinisch, sondern auch junge Mediziner in ihrer Ausbildung. Warum sie diesen Weg gegangen ist und was sie an ihrer Arbeit bis heute bewegt, erzählt sie im Gespräch. Ute, was genau machst du in Matyazo? …
Ute Trautwein arbeitet seit 18 Jahren in Matyazo im Westen Tansanias. Als Frauenärztin und Geburtshelferin begleitet sie dort nicht nur Frauen medizinisch, sondern auch junge Mediziner in ihrer Ausbildung. Warum sie diesen Weg gegangen ist und was sie an ihrer Arbeit bis heute bewegt, erzählt sie im Gespräch.
Ute, was genau machst du in Matyazo?
Ich arbeite seit 18 Jahren als Ärztin in einem Krankenhaus in Tansania. Ich bin dort unter anderem als Frauenärztin und in der Geburtshilfe tätig.
Wie bist du nach Tansania gekommen?
Das war ein langer Weg. Ich bin in einer Familie mit Landwirtschaft groß geworden. Ich hätte als Kind gerne den Hof übernommen, aber ich habe zwei große Brüder und in der Landwirtschaft gibt es eine strenge Erbfolge. Also war es für mich nicht möglich, die Karriere als Landwirtin zu machen. Unsere Mutter hatte ein sehr großes Herz für die Mission. So habe ich mich früh für Mission interessiert. Irgendwann habe ich gesagt: Wenn der Hof für mich nicht möglich ist, dann wird sie eine Alternative. Mit zehn Jahren hatte ich dann eine Brieffreundschaft mit einer Missionarin.
Warum hast du dich später für Frauenheilkunde entschieden?
Ich wollte dahin gehen, wo es kaum Ärzte gibt. Ich war ein paar Monate in Matyazo und habe dort gemerkt, wie groß die Not ist. Schwangerschaft und Geburt sind für viele Frauen immer noch eine echte Gefahr. Genau da wollte ich mit meinem Beruf helfen.
Warum ist Schwangerschaft so eine Gefahr?
In Deutschland ist Schwangerschaft und Geburt etwas sehr Positives. In Tansania gehen die Frauen, wenn ihre Kinder heil und gesund entbunden wurden, zur Kirche. Dort beten sie den 121. Psalm: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ Das ist ursprünglich ein Pilgerpsalm für Gefahrensituationen. So ähnlich muss man auch in Tansania die Schwangerschaft verstehen: eine Pilgerreise durch schwierige Zeiten, Krankheit, Gefahr und Not. Eine Frau weiß nicht, ob sie da am Ende heil herauskommt. Als ich angefangen habe, waren es fast 500 Mütter, die bei 100.000 Lebendgeburten in der Region gestorben sind. Das ist sehr viel. Inzwischen wurden die Zahlen auf rund die Hälfte reduziert.
Was ist im medizinischen Bereich die größte Herausforderung?
Fachärzte gehen eher in die Ballungszentren, wo sie attraktivere Arbeitsplätze haben als auf dem Land bei uns. Im ländlichen Bereich haben wir dadurch vornehmlich die Mediziner, die gerade aus dem Studium kommen, oder die dreijährige Ausbildung zum Arzthelfer machen. Es fehlt an Erfahrung. In Tansania kommt einer von der Universität – er hat gerade mal ein praktisches Jahr gemacht – und wird dann auf die Patienten losgelassen. Je nachdem, wie viel er machen konnte, kann er natürlich etwas oder eben nicht. Wenn er operieren muss, entstehen Komplikationen, für die er geradestehen muss.
Was macht dir bei der Arbeit Hoffnung?
Für mich ist wichtig, dass ich mit meinem Beruf genau in diese Nische hineingehen kann. Ich will die Zeit nutzen, in der junge Kolleginnen und Kollegen bei uns sind, damit sie wirklich etwas lernen. Ich bin selbst durch andere gesegnet worden, und diesen Segen möchte ich weitergeben. Wir sind als Missionsärzte und -ärztinnen Multiplikatoren. Am Ende geht es nicht nur um Medizin, sondern um den ganzen Menschen.
Ute Trautwein ist Missionarin in Matyazo, Tansania
Das Gespräch führte Evelyn Clement, Redaktionsleiterin
Das ganze Interview auf YouTube anschauen oder in unserem Weltbeweger-Podcast anhören
Der Artikel ist in unserem Magazin move (August – Oktober 2026) erschienen.



