Lehrling statt Müllberg

Lehrling statt Müllberg

Statt als Tagelöhner zu arbeiten, erhalten kambodschanische Männer im Projekt „Made 4 This“ einen Ausbildungsplatz. Missionar Peter Stahl beobachtet, wie sich ihr Leben verändert.

Um in Deutschland einen praktischen Beruf zu erlernen, macht man eine Ausbildung und besucht eine Berufsschule. Dieses Konzept gibt es in Kambodscha nicht. Dort heuert man als Lehrling bei einem Meister für einen geringen Lohn an, verrichtet erst einfache Arbeiten und arbeitet sich dann durch Learning by Doing (deutsch: beim Tun lernen) hoch. So machen wir das auch in unserem Betrieb „Made 4 This“ (M4T), denn die Männer können keine Zeit für eine klassische Ausbildung vergeuden. Sie müssen ihre Familien ernähren.

In unserem Betrieb bieten wir ihnen vor Ort in ihrem Dorf Phnom Dey, direkt neben dem Müllberg Siem Reaps, die Möglichkeit, Geld zu verdienen, um damit die Familie zu versorgen und ihren Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Üblicherweise durchforsten sie den Müllberg nach Verwertbarem oder arbeiten als Tagelöhner auf dem Bau in der Stadt. Zum einen geben wir so den Männern ohne Schul- oder Berufsausbildung durch ein gesichertes Einkommen Hoffnung für ihr jetziges Leben. Zum anderen aber bietet der Betrieb darüber hinaus die Plattform, um ihnen durch die Weitergabe der Guten Botschaft eine Hoffnung zu geben, die über das jetzige Leben hinausgeht. In täglichen Andachten lernen sie Gott als ihren Schöpfer und lieben Vater kennen. In dem Sinne bietet unser Betrieb nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern viel mehr eine Bildungsplattform, wo sie sich in verschiedenen Bereichen weiterbilden. So lernen manche durch die Andachten, flüssig zu lesen. Ein wichtiges Element in der Ausbildung ist auch das Verfestigen der Grundrechenarten. Das ist besonders wichtig, weil Finanzunternehmen im großen Stil die Bevölkerung finanziell ausnutzen. Und so stellen wir nicht nur hochwertige Möbel her, bauen Fischzuchtanlagen und stellen Spielplätze auf. Vielmehr investieren wir in Menschen. Und auch wenn der Betrieb erst anderthalb Jahre alt ist, so können wir doch Veränderungen im Leben der bisher elf Männer wahrnehmen. Sie sind unterschiedlich weit auf dem Weg zu Gott. Manche wurden von Gegnern des Glaubens zu aufmerksamen Zuhörern, andere haben aufgehört, sich regelmäßig zu betrinken, übernehmen Aufgaben im Haushalt oder kümmern sich um die Kinder.

Anne und Peter Stahl sind Missionare in Siem Reap, Kambodscha

Familie Stahl berichtet in unserem Podcast „amCast“

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2021 – Januar 2022) erschienen.

Mehr Infos zum Projekt Made 4 This