Jesus statt Gangsterkonzepte

Jesus statt Gangsterkonzepte

Sergey Babich ist Pastor in Straßburg. Ein Kontakt weist ihn auf Jamal hin, der aufgrund einer schweren Erkrankung in der Stadt gestrandet ist und Hilfe braucht. Nach einer kriminellen Vergangenheit führt Sergey ihn zu Jesus und Jamal beginnt ein neues Leben.

Jamal hält ein Portemonnaie in den Händen. Er hat es gerade gefunden, darin Bankkarten und eine Visitenkarte. Sein erster Gedanke: die Situation nutzen, Zigaretten und etwas anderes kaufen. Doch Jamal hört Gott und seine Stimme: „Gib die Brieftasche zurück“, und folgt ihr. Früher hätte er so nicht gehandelt.

Der Georgier wurde 1966 in der Stadt Nowy Afon geboren. Seine Mutter ist russische Jüdin, der Vater Georgier. Sie waren wohlhabende Leute und hatten ein eigenes Hotel am Meer. Aber in Georgien gab es zu Sowjetzeiten sogenannte „Gangsterkonzepte“: Bist du reich, wirst du als „cooler Typ“ respektiert und geschätzt. Viele junge Männer und auch Jamal versuchten sich auf unterschiedliche Weise zu beweisen, um zu den „coolen Typen“ zu gehören.

1988 heiratete Jamal und wurde Vater einer Tochter. 1990 begann er mit Erpressung und Diebstahl sein Geld zu verdienen, hauptsächlich in Russland. Er wurde erwischt und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Wieder entlassen, umgab er sich mit seinen alten „Freunden“. Er lebte wie zuvor. „Ich erpresste die Leute und prügelte aus ihnen das Geld heraus, wenn sie nicht für den Schutz ihres Geschäftes bezahlen wollten“, berichtet Jamal. Er kam ein weiteres Mal ins Gefängnis, doch auch nach der zweiten Gefängnisentlassung blieb er weiter kriminell.

Jamal hatte bereits 30 Jahre kriminelle Erfahrung, als plötzlich seine Tochter mit 29 Jahren an Leukämie starb. Später verließ ihn seine Frau. „Das hat mein zukünftiges Leben stark beeinflusst. Ich begann über Gott nachzudenken, über mein Leben“, erinnert sich der 56-Jährige. „Ich beschloss, den kriminellen Weg zu verlassen.“

Jamal reist nach Jerusalem; von einer heiligen Stätte zur nächsten. Er will seine Sünden bekennen und ein anderes Leben beginnen. Am Grab Jesu verspricht er Gott, sich nie wieder auf Verbrechen einzulassen. Hier beginnt er seine kriminelle Vergangenheit zu bereuen.

Neues Leben

Er lernt neben seiner bald zweiten Frau auch Badri, einen ehemaligen Verbrecher, kennen. Weiter auf der Suche nach Gott, hört Jamal dem gerade zu einem Christen werdenden Badri zu, wie er von Gott erzählt.

Bald bekam Jamal Leberkrebs diagnostiziert. Der Tumor konnte erfolgreich entfernt werden, „aber Gott hat mich wahrscheinlich für mein sündiges Leben bestraft. Mir wurde eine weitere Krebsart diagnostiziert“, erklärt Jamal seinem Pastor Sergey im Gespräch. Er reiste nach Straßburg, denn er hatte gehört, dass dort der Krebs erfolgreich behandelt werden könne. Badri brachte ihn dann in Kontakt mit Sergey.

Sergey erinnert sich an ihre erste Begegnung am Bahnhof: „Dir fehlt ein Auge und du sahst so gequält aus. Und du warst auf der Suche nach Gott.“ Er entschied sich, eine Beziehung zu Jamal aufzubauen, um ihn mit Jesus bekannt zu machen. Jamal sollte seine Hoffnung im Leben auf Gott setzen.

Jamal ist dankbar für die entstandene Freundschaft. Seine zweite Frau verließ ihn damals aus Angst, dass sie sich um ihn kümmern müsste. „Aber Gott ist nahe und hört mich, und davon war ich jeden Tag überzeugt“, bekennt er. Zehn Operationen in zwei Jahren folgten nach seiner Ankunft in Frankreich. „Ich bin sehr müde und, abgesehen von Gott, habe ich keine Hoffnung.“ Der Staat gab Jamal eine kostenlose Unterkunft sowie eine kostenlose Busfahrkarte und manchmal auch Essenskarten. Doch zwei Jahre lang hat er kein Recht auf Finanzleistungen. Sergey lädt ihn in seine Gemeinde ein, unterstützt und besucht Jamal und bringt Essen vorbei.

„Eines Tages forderte mich Gott auf, Buße zu tun, und ich bat dich, mir beim Bekehrungsgebet zu helfen. Ich erinnere mich an diesen Tag des Gebets – wir beide und Christus. Ich fühlte, dass Gott mir vergeben hat, mich von oben wiederbelebt hat, und ich glaube, dass Christus in meinem Leben ist“, bekennt Jamal.

Heute bereitet er sich auf seine Taufe vor. „Ich bin mit meinem vergangenen Leben fertig, habe kein Geld, aber ich bin glücklich. Das neue Leben ermutigt mich zu neuen Dingen.“

Vera und Sergey Babich sind Missionare in Straßburg, Frankreich

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2022 – Januar 2023) erschienen.