Respektvoll lieben

Respektvoll lieben

Felix und Anita Reckstadt arbeiten als Missionare im Krankenhaus Shunga in Tansania.

Felix sitzt mit seinem besten Freund Marcel beim Puzzeln, 1000 Teile vor ihm und eine Frage, die ihn bewegt. Sie geht Felix einfach nicht aus dem Kopf. Was passiert mit ihm, wenn er nicht mehr auf der Welt ist? Eigentlich kennt er die Antwort – sie fällt nicht positiv aus.

Am Wochenende sitzt er in der Gemeinde, nimmt am Gottesdienst teil und betet, doch unter der Woche ist er mit seinen Freunden auf Partys, trinkt, raucht Marihuana und stiehlt Autoembleme. Ein Doppelleben, das auch Marcel auffällt. Er ist am Ende derjenige, der Felix in seine Gemeinde mitnimmt, wo Felix mit 17 Jahren eine Entscheidung für Jesus trifft.

In derselben Zeit steht ein Schulwechsel an, sodass Felix hier gut von neuem starten kann. Er wird Mitarbeiter in der Gemeinde, entschuldigt sich bei vielen und beginnt seine Ausbildung zum Krankenpfleger.

Damals passt Anita schon seit Jahren viel auf ihre Geschwister auf und übernimmt Verantwortung für sie. Ihr Traum ist es, eines Tages Missionarin in Afrika zu werden. Das weiß sie schon, seit sie fünf Jahre alt ist. So richtig festmachen, wie sie darauf gekommen ist, kann sie nicht. Aber sie weiß noch, wie sie ihre Mutter fragte, ob Missionarin ein eigenständiger Beruf ist. Lange wurde ihr Wunsch nicht ernst genommen – erst als sie mit 19 Jahren tatsächlich zum ersten Mal auf einem Missionseinsatz in Kenia mit der Missionsorganisation DIGUNA unterwegs war. Dabei stellte sie für sich fest, dass sie sich ein Leben in Afrika vorstellen konnte. Ein Jahr später begann sie nach einem Praktikum im Kreißsaal eine Ausbildung zur Hebamme in Hamburg und studierte im Anschluss Hebammenwissenschaften in Buxtehude bei Hamburg.

Anita fand darin einen Job, den sie liebt: die Frauen im Wochenbett zu begleiten und „einfach da zu sein, wenn so ein kleines Wunder geboren wird“. Ihr ist es wichtig, ihnen dabei respekt- und liebevoll zu begegnen. Vor ein paar Jahren begleitete sie eine Mutter, die vor der Geburt entschieden hatte, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Die Mutter erzählte Anita später, sie habe sich dazu entschieden, ihr Kind doch zu behalten – weil Anita ihr so wertschätzend und ohne Vorurteile begegnet war.

Auch Felix entschied sich für einen Beruf im medizinischen Bereich. Er kommt aus einer Familie von Krankenpflegern, weshalb seine Ausbildungswahl nahe lag. Jedoch hatte er bereits bei einem Praktikum erste Zweifel bekommen, da seine Kollegen teilweise so respektlos mit Patienten umgingen. Seine Beobachtungen während der Ausbildung bestärkten ihn zuletzt darin, nicht in Deutschland zu arbeiten, sondern ins Ausland zu gehen. Er erinnerte sich an einen Vortrag von Christine Fritz, Missionarin im damaligen Gesundheitszentrum in Tansania, den er mit 15 Jahren gehört hatte. Als er sich bei ihr meldete, erfuhr er, dass das Team Unterstützung brauchte und für jemanden gebetet hatte. Das war für ihn die Bestätigung, nach Tansania zu gehen.

In den ersten Jahren arbeitete Felix in Shunga als Krankenpfleger. Inzwischen leitet er als Projektleiter den Umbau des Gesundheitszentrums zu einem Krankenhaus. Das passt zu ihm, meint Anita. Er ist Visionär, sieht positiv auf die Dinge und ist sich für keine Aufgabe zu schade. In Tansania, erzählt Felix, lernt er von den Menschen lieber nach vorne zu schauen als auf das, was weniger gut läuft.

Felix und Anita begegneten sich 2019 in Shunga. Anfangs konnten sie sich gar nicht vorstellen, dass aus ihnen mal ein Paar werden könnte. Doch dann trafen sie sich einmal, um einen Online-Gottesdienst gemeinsam zu feiern. Beim Abendmahl hatte Felix plötzlich den Gedanken: „Felix, da musst du jetzt dranbleiben.“ Und das tat er. Seit September 2021 sind sie verheiratet.

Nun lebt sich Anita weiter in Tansania ein und lernt die Kultur kennen, in der Felix bereits die letzten Jahre verbracht hat. Ihre Vision ist es, den Menschen Jesu Liebe ganz praktisch weiterzugeben, so wie es in 1. Johannes 4,19 steht: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“

So alt sind wir:
Felix 32
Anita 27
Unsere letzten Bücher:
Anita: Die widerspenstige Braut von Deeanne Gist
Felix: Finanzielle Intelligenz von Niclas Lahmer
Hobbys:
Anita: Lesen, Backen und nähen
Felix: im Garten arbeiten, Reisen, Bergsteigen
Unser Lebenstraum: Überall da, wo wir leben, Gottes Reich bauen und eine glückliche Familie haben
Das genießen wir:
Anita: Sonne, Strand und Meer
Felix: guten Kaffee
Unser Job bei der AM:
Anita: Hebamme
Felix: Projektleiter
Dieser Bibelvers bedeutet uns viel: unser Trauvers aus 1.John 1,19: Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.
Jesus für uns: Weg, Wahrheit und Leben

Anita und Felix Reckstadt sind Missionare in Shunga, Tansania

Dieses Portrait ist in unserem Magazin move (Mai – Juni 2022) erschienen.