Mission in Deutschland: Von anderen lernen

Mission in Deutschland: Von anderen lernen

Menschen aus anderen Ländern und Kulturen bereichern die Gemeindelandschaft in Deutschland. Albert Giesbrecht zeigt, was deutsche Gemeinden von ihnen lernen können und welche Chancen sich am Horizont abzeichnen.

Gemeinsam mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden und vielen internationalen Mitarbeitenden ist die Internationale Gemeindearbeit in Deutschland unterwegs, um Menschen unterschiedlicher kultureller und nationaler Herkunft in Deutschland Glaubensräume zu schaffen und mit Einheimischen zusammen neue internationale Gemeinden zu gründen. Über 60 internationale Gruppen und Gemeinden sind so quer durch Deutschland verteilt entstanden.

Dabei folgt die Arbeit unter Migranten sechs Schwerpunkten: Evangelisation, gesellschaftliche und gemeindliche Integration und Vernetzung, Gemeindegründung und -aufbau, Schulung von Leitenden, Weltmission und Ermöglichung von Mission in Return, also dem Einsatz ausländischer Missionarinnen und Missionare in Deutschland.

Die große Linie dabei ist es, zunehmend Mitarbeitende aus anderen Kulturen im Team zu integrieren und die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie Angehörige ihrer Kulturen in Deutschland mit dem Evangelium erreichen können. Seien es Migranten, die schon länger in Deutschland leben oder solche, die aus dem Ausland kommen.

So vernetzen wir zum Beispiel türkisch-bulgarische Gastarbeiter, die hier Christen werden und setzen einen Schwerpunkt auf die Gründung deutsch-internationaler Gemeinden nach dem Konzept der „Kairos“-Gemeinden, in denen Migranten der ersten und zweiten Generation zusammen mit Deutschen gemeinsam ihre Kulturen leben und feiern. Dynamik entsteht, wo Leitende unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen und sich regional vernetzen. Hier entstehen Arbeitsgemeinschaften für iranische, arabische, türkisch-bulgarische, afrikanische und vietnamesische Christen in Deutschland.

Aktuell entstehen viele Gemeindegruppen ukrainischer Flüchtlinge und bei einem Treffen rund 30 ukrainischer Pastoren wurde deutlich, dass ein ukrainischer Gemeindebund partnerschaftlich mit Gemeinden in Deutschland neue Gemeindegründungen begleiten will.

Internationale Gemeinden sind oft wesentlich auf Evangelisation ausgerichtet: in der Predigt, Lehre, den Veranstaltungen oder den alltäglichen Beziehungen. Hier können deutsche Gemeinden lernen, wie Evangelisation nicht in Sonderveranstaltungen ausgelagert wird, sei es durch die Einladung internationaler Mitarbeitender, durch Seminare oder Austausch.

Internationale Mission in Zukunft
Ein entscheidender strategischer Schwerpunkt wird die Mission unter Muslimen sein. Hierzu haben wir den Indschil-Fonds ins Leben gerufen, der Rahmenbedingungen schaffen soll für Evangelistinnen und Gemeindegründer (Indschīl ist die arabische Übersetzung von „Evangelium“ und in der gesamten muslimischen Welt eine Beschreibung der Offenbarung von Jesus Christus. Jede Spende in den Indschīl-Fonds wird dafür eingesetzt, dass in Deutschland Mission unter Muslimen möglich wird). Auch wird es darum gehen, Visionsteams für einzelne Ethnien zu entwickeln und Brücken zu bauen zwischen deutschen und internationalen Gemeinden, so dass sie voneinander lernen.

Am Horizont stehen die Entwicklungen in China und weiteren asiatischen Ländern, die eine vermehrte Tätigkeit asiatischer Missionare in Deutschland erwarten lassen. So ist z. B. in der internationalen Gemeindegründung Kairos Duisburg bereits ein südkoreanischer Missionar angestellt. Mit Mission in Return bauen wir Netzwerke in Lateinamerika und Afrika und suchen Partnergemeinden im Ausland, die Missionarinnen und Missionare nach Deutschland senden und finanzieren.

Albert Giesbrecht ist Bereichsleiter für Osteuropa und Internationale Gemeindearbeit in Deutschland.

Dieser Artikel ist in unserem Magazin move (November 2023 – Januar 2024) erschienen.